Minenkonzern
Xstratas Ruf ist angekratzt

Erst Vale, dann Lonmin, jetzt Anglo American. Xstratas Deal-Junkie CEO Mick Davis erweitert die Liste seiner fehlgeschlagenen Minentransaktionen. Den halbherzigen Vorstoß in Richtung Anglo wieder aufzugeben ist vielleicht vernünftig und das Spiel um Lonmin ist auch noch nicht beendet. Aber Davis Ruf verliert allmählich das Bedrohliche.
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Erst Vale, dann Lonmin, jetzt Anglo American. Wenn Xstratas Oberboss Mick Davis nur einfach ein Deal-Junkie wäre, dann müsste er jetzt unter Entzugserscheinungen leiden. Davis hat seinen an der Börse London gelisteten Minenkonzern, seit er das Ruder vor acht Jahren übernahm, durch eine Reihe von Akquisitionen aufgebaut. Aber trotz mehrerer Anläufe hat er schon seit Jahren keinen Megadeal mehr unter Dach und Fach bringen können.

Xstratas Entscheidung vom heutigen Donnerstag, im Rahmen der vom britischen Takeover Panel gesetzten Frist kein formales Angebot mehr für Anglo American auf den Tisch zu legen, ist vielleicht vernünftig. Der Vorschlag des Unternehmens vom vergangenen Juni, einen Zusammenschluss unter Gleichen zu vereinbaren, stieß bei den Aktionären der südafrikanischen Minengesellschaft nicht so recht auf Gegenliebe. Sie verlangten nach einer Prämie, die Xstrata entweder nicht zahlen konnte oder wollte.

Der Xstrata-Rückzug entlastet Anglo aber nicht von dem Druck, eine Wende im schleppenden Geschäft herbeizuführen. Die Anglo-Anleger scheinen bereit, dem neu berufenen Verwaltungsratschef Sir John Parker etwas Zeit zu geben, bevor er von seinem CEO Cynthia Carroll Ergebnisse einfordert. Aber nichtsdestoweniger dürfte jeder Hinweis auf einen Fehlschlag die Aktionäre dazu bewegen, Xstrata freundlicher zu begegnen. Davis nutzte seine Begründung für den Rückzug, um noch einmal nachdrücklich auf die "überzeugenden strategischen Argumente" hinzuweisen, die für den Deal sprächen. Das Anglo-Management kann es sich da kaum leisten, sich selbstgefällig zurückzulehnen.

Xstrata M&A-Ansatz war schon immer opportunistisch und selten mit knallharten Verhandlungen oder großzügigen, alles entscheidenden Lockangeboten verbunden. Aber dennoch muss der Verzicht auf ein Gebot für Anglo im Zusammenhang mit den unvollständigen Verhandlungen über Lonmin und dem Abbruch der Gespräche über einen Verkauf an den brasilianischen Giganten Vale gesehen werden. Nimmt man alles zusammen, dann kratzt das schon an Davis Ruf als Meister der Zusammenschlüsse.

Natürlich kann sich Xstrata immer noch auf seine zukunftsträchtige Falconbridge-Akquisition im Jahr 2005 berufen, um zu belegen, wie schlau man dort Fusionen einfädeln kann. Und auch Lonmin kann sich das Unternehmen noch schnappen, immerhin hat Xstrata bereits 24 Prozent der Anteile eingesammelt. Diese Beteiligung war zwar kostspielig, verspricht aber jetzt zu einer attraktiven Option auf einen Platinpreisanstieg zu werden.

Der Fehlschlag, gleich im ersten Anlauf einen Deal mit Anglo unter Dach und Fach gebracht zu haben, ist für Davis alles andere als eine Katastrophe. Aber wenn er sich nach dem nächsten Ziel umsieht, könnte es sein, dass das Objekt seiner Begierde mit etwas größerer Zuversicht dagegen hält.

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