Mischkonzern
General Electric: Langweiler nach vorn

Die Erstquartalsergebnisse von GE sind besser als erwartet ausgefallen. Selbst der Finanzzweig hat schwarze Zahlen geschrieben, wirkt aber dennoch wie ein Hemmschuh. Die industriellen Bereiche des Mischkonzerns könnten kurzfristig von den erhöhten Regierungsausgaben weltweit und langfristig letztendlich von einem Aufschwung profitieren.
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General Electric galt immer als Indikator für die Verfassung der globalen Wirtschaft. Jetzt könnte der Mischkonzern zu einem Maßstab der weltweiten Konjunkturpakete werden. Das erste Quartal des Unternehmens hat die Erwartungen der Analysten übertroffen. Selbst der Finanzzweig hat schwarze Zahlen geschrieben. Doch dieses vor kurzem noch schwer angesagte Geschäft sieht jetzt wie ein Hemmschuh aus. Dagegen scheinen die früher als langweilig geltenden industriellen Bereiche von einer letztendlich einsetzenden wirtschaftlichen Erholung profitieren zu können - und kurzfristig von den weltweit erhöhten Regierungsausgaben.

Die altmodischen industriellen Geschäftsbereiche von GE haben sich im Berichtsquartal gut entwickelt. Der Gewinn auf dem Gebiet Energie-Infrastruktur ist gegenüber dem Vorjahresquartal um 19 Prozent gestiegen, bei der Technologie-Infrastruktur stellte sich ein Plus um sechs Prozent ein. Selbst GE Capital schlug sich ordentlich und verdiente fast so viel wie die Citigroup im ersten Quartal. Der Gewinn wurde mit 1,1 Mrd. Dollar angegeben und der Finanzzweig dürfte auch für den Rest des Jahres rentabel arbeiten.

Natürlich ist nicht alles rosig. Die Infrastrukturaufträge sanken um zehn Prozent und die Auftragslage bei Ausrüstung und Dienstleistungen stagnierte mehr oder weniger. Gleichzeitig nahm GE Capital Kreditrückstellungen über 5,7 Mrd. Dollar vor, die die künftigen Gewinne und möglicherweise die Kapitalposition des Geschäfts unter Druck setzen könnten, wenn sie sich in Verluste verwandeln.

Kurz gesagt stehen die sich stetiger entwickelnden Industriebereiche besser da als GE Capital. Das Unternehmen geht davon aus, dass diese Einheiten weiter von den weltweiten Konjunkturpaketen profitieren. Das Management rechnet damit, dass die Regierungen rund um die Erde etwa zwei Bill. Dollar ausgeben werden, und zielt darauf ab, sich davon eine große Portion von 100 Mrd. Dollar an möglichen Geschäften, insbesondere bei der Windkraft und Infrastrukturprojekten in China, zu sichern.

Auf den ersten Blick erscheint damit der industriell-finanzielle Mix von GE gerechtfertigt. Schließlich war der Finanzbereich vor ein paar Jahren noch ein großes Wachstumssegment. Aber längerfristig gesehen besteht kaum ein Grund, warum GE am Finanzgeschäft festhalten sollte.

Der Boom der globalen Kreditvergabe hat sich als seltene und äußerst schädliche Blase erwiesen. Nachdem diese nun geplatzt ist, dürfte der Zuwachs der Kreditvergabe für einige Zeit dem BIP hinterherhinken. Tatsächlich sind die Verwerfungen, die die Kreditkrise verursacht hat, GE teuer zu stehen gekommen. Der Vorstoß auf das Gebiet der Finanzen an sich ist zweifelhaft geworden. Die Antwort darauf könnte darin bestehen, GE Capital zu kappen und sich wieder auf die eigentlichen Wurzeln zu besinnen. Angesichts des Auftriebs, den die staatlichen Konjunkturpakete und ein letztendlich einsetzender Aufschwung dem Unternehmen verleihen könnten, sieht es ganz so aus, als würden die Industriebereiche von GE auf Jahre hinaus hübsch brummen.

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