Mobilfunk
Vodafone: So weit, so gut?

Seit sechs Monaten sitzt Vittorio Colao jetzt bei Vodafone im Chefsessel und schon hebt er die Zielvorgaben bei dem Mobilfunkriesen für das Gesamtjahr an. Dabei konnte er allerdings zu einem großen Teil von günstigen Wechselkursverlagerungen profitieren. Andererseits bereiten ihm ererbte Probleme in Spanien und der Türkei Kopfzerbrechen. Aber Colao hat bei seinem Amtsantritt einige gute Entscheidungen getroffen und scheint mit seiner defensiven Strategie richtig zu liegen.

Da er sein Amt als Chief Executive von Vodafone erst seit sechs Monaten inne hat, muss Vittorio Colao sehr erfreut darüber sein, dass er die Zielvorgaben für die Gesamtjahresentwicklung des Mobilfunkgiganten anheben und auf einen überraschend guten Zuwachs der Einnahmen im dritten Quartal um 14 Prozent zurückblicken kann. Aber die Aufwärtsbewegung hat mehr mit günstigen Wechselkursverschiebungen zu tun, denn mit den magischen Fähigkeiten eines neuen Chefs: Colao muss sich immer noch mit vielen ererbten Schwierigkeiten herumschlagen, während er Vodafone durch die globale Rezession steuert.

Lässt man die Wechselkursvorteile und Akquisitionen außer Acht, dann sind die Einnahmen von Vodafone im dritten Quartal tatsächlich um ein Prozent zurückgegangen. Der Mobilfunkbetreiber erwirtschaftet jetzt über zwei Drittel seiner Einnahmen in Euro, der zwischen September und Dezember gegenüber dem Pfund Sterling um rund fünf Prozent an Wert gewonnen hatte. Dies hat 12,8 Prozentpunkte zum Zuwachs der Gesamteinnahmen des Unternehmens beigetragen. Den Rest steuerte die indische Neuerwerbung Essar bei.

Angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs wird Colao zu kämpfen haben, wenn er ein ähnlich eindrucksvolles Wachstum erzielen will, mit dem sein Vorgänger Arun Sarin seinen Ruf in den von Akquisitionen geprägten Boom-Jahren der Firma zementiert hat. Aber das hat den neuen Oberboss von Vodafone nicht davon abgehalten, dem Unternehmen gleich zu Beginn seiner Amtszeit seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Colao hat das Management der ausufernden Geschäftsbereiche der Gruppe in den aufstrebenden Märkten bereits gründlich umorganisiert, das problematische Joint Venture Verizon Wireless seiner persönlichen Verantwortung unterstellt und der Strategie des Unternehmens einen defensiveren Beigeschmack verliehen., indem er die Kundenanbindung mit viel größerem Nachdruck verfolgt.

Natürlich hat die neue Konzentration Colaos auf die Aufrechterhaltung der Handynutzung gegenüber dem Einnahmenwachstum ihren Preis. In Europa ist das Gesamtvolumen der Telefonminuten im Berichtsquartal zwar gestiegen, aber die zugrunde liegenden Einnahmen aus traditionellen Dienstleistungen wie Sprachmitteilungen und SMS sind immer noch rückläufig gewesen. Die Investoren begrüßen es besonders, dass Colao auch dann noch ohne Umschweife zur Sache kommt, wenn es darum geht, anzuerkennen, wie tief greifend die Probleme von Vodafone in der Türkei und in Spanien sind. Aber besser als unverblümt zu reden, wäre es, hart durchzugreifen: Vodafone muss sein Angebot in Spanien immer noch völlig neu ausrichten und in der Türkei muss das Unternehmen dem Niedergang dringend Einhalt gebieten. Dort hat es im letzten Quartal allein 638 000 Abonnenten verloren.

Die eindeutigsten operativen Erfolge, die Colao bisher errungen hat, kamen nicht überraschend. Die Einnahmen in Indien haben um 30 Prozent zugelegt, da Vodafone über einen Rekordzuwachs um durchschnittlich 2,1 Millionen neue Kunden im Monat berichten konnte. Und der zu den Standardwerten zählende Mobilfunkbetreiber hatte zudem kaum Schwierigkeiten damit, seine 2009 fällig werdenden Schuldtitel zu bedienen. In den vergangenen drei Monaten hat er neue Bonds über 2,9 Mrd. Pfund begeben. Die ersten sechs Monate von Colao bei Vodafone sind ohne großen Trubel verlaufen. Aber im gegenwärtigen Klima das Schiff in ruhigem Fahrwasser zu halten, ist schon ein Erfolg an sich.

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