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Ericsson: Zurück in die Zukunft

Es kann von Vorteil sein, Rivalen wie Nokia und dem chinesischen Aufsteiger Huawei gewisse enge Kontakte zu verweigern. Mit Nortels drahtlos-Technik in der Hinterhand steht Ericsson plötzlich ziemlich clever da.
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Vor zehn Jahren gehörten Nokia und Ericsson zu den größten Gegnern des drahtlosen CDMA-Standards. Schließlich wollten sie die Netz-Betreiber an ihr GSM-basiertes Equipment binden. Warum also übertrumpften die Schweden von Ericsson die Finnen von Nokia beim Bieterstreit um die im Sinken begriffene CDMA-Sparte von Nortel und bezahlten 1,13 Mrd. Dollar?

Im Bereich der drahtlos-Übertragung operierende Firmen, stehen notwendigerweise stets an vorderster Innovationsfront. Setzt man auf das falsche Pferd, besteht die Gefahr sinkender Verkäufe, wenn die Netzbetreiber das veraltete Equipment austauschen. So erging es auch Nortel. Im letzten Jahr erzielte man etwa zwei Mrd. Dollar Einkünfte, doch das Geschäft bricht rapide ein. JP Morgan schätzt den Schwund auf etwa 30 Prozent.

Doch selbst ein kränkelndes Business ist etwas wert, so lange sich noch etwas Bargeld herausholen lässt, wie in diesem Fall. Schließlich wird nicht die gesamte Ausstattung auf einmal ersetzt und ältere Modelle müssen gewartet werden. Es könnte noch zehn Jahre dauern, bis Nortels CDMA-Sparte endgültig abgewrackt wird. Bei einer Umsatzrendite um die 15 Prozent könnte Ericsson seine Investition wieder einbringen.

Die Amortisierung seiner Ausgaben gehört natürlich nicht zu den Hauptgründen für eine Fusion. In diesem Fall lockt jedoch ein spezieller Knüller. Die Kunden werden letztendlich auf den sogenannten LTE-Standard umsteigen, bei dessen Entwicklung Ericsson eine entscheidende Rolle spielt. Glücklicherweise ist auch Nortel daran beteiligt, so dass Ericsson einige Patente und 400 involvierte Ingenieure übernehmen kann. Zudem werden Betreiber, die derzeit CDMA verwenden, zu den ersten gehören, die auf LTE umsteigen, denn ihre Kunden verlangen nach den schnelleren Übertragungsraten der neuen Technologie.

Es gibt keine Garantie, dass die großen US-Kunden wie Verizon Wireless und Sprint in Zukunft öfter Ericsson-Produkte bestellen, bloß, weil sie zu Nortels Kundschaft gehören. Doch immerhin hat Ericsson jetzt einen Fuß in der Tür. Es kann von Vorteil sein, Rivalen wie Nokia und dem chinesischen Aufsteiger Huawei gewisse enge Kontakte zu verweigern. Mit Nortels drahtlos-Technik in der Hinterhand steht Ericsson plötzlich ziemlich clever da.

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