Mögliche Sun-Übernahme
IBM: Schnäppchenjäger aus der Tiefe des Raumes

IBM denkt über eine Offerte für Sun Microsystems nach. Mögliche Kosteneinsparungen und die gedrückte Bewertung von Sun lassen einen Deal für IBM opportunistisch attraktiv erscheinen. Beide Unternehmen müssen sich auch darauf vorbereiten, dass Cisco auf den überfüllten Server-Markt drängt. Es könnte hilfreich sein, sich zu verbünden.
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Der Technologie-Mischkonzern IBM denkt über eine Offerte für Sun Microsystems nach. Natürlich würde eine Verschmelzung der beiden großen Hersteller von Computerservern beträchtliche Kostenkürzungen in Aussicht stellen. Und die gedrückte Bewertung von Sun und dessen erheblicher Geldberg stellen für den Blue-Chip IBM zweifelsohne eine Verlockung dar. Aber das Schlüsselelement - besonders was Sun angeht- liegt wahrscheinlich in dem Vorstoß von Cisco auf den ohnehin schon gedrängten Server-Markt.

Zunächst einmal zum Schnäppchenaspekt, der zumindest für IBM zum Tragen kommt. Bevor das Interesse des Tech-Giganten durchsickerte, hatte Sun im Verlauf eines Jahres rund 70 Prozent seiner Marktkapitalisierung verloren. Angenommen IBM hat, wie Medienberichte nahe legen, einen Aufschlag von etwa 100 Prozent auf den von Übernahmegerüchten unberührten Kurs von Sun angeboten, dann würde das Unternehmen zusätzlich 3,7 Mrd. Dollar zahlen, um die Kontrolle zu erlangen.

Dies sollte angesichts der potenziellen Synergien in den Hintergrund treten. Wenn IBM bei Sun zehn Prozent der aufgeblähten Kostenbasis kappen könnte, würden 1,25 Mrd. Dollar im Jahr eingespart. Der heutige Wert dieser Einsparungen sollte sich auf mehr als das Doppelte dieses Aufschlags belaufen. Dies legt nahe, dass es sich bei dem Abschluss um ein Schnäppchen handeln könnte - solange sich der Niedergang von Sun nicht beschleunigt.

Dann nehmen wir uns den defensiven Aspekt des Deals vor. Server bringen den Produzenten ohnehin schon geringe Margen ein, und sie verringern sich weiter. Mit Hilfe von Virtualisierungssoftware kann ein Server jetzt die Aufgaben vieler erledigen. Die Nutzer verlegen sich zudem auf billige Standard-Hardware anstatt bei teureren - und rentablen - Spezialausstattungen zuzugreifen.

Unter diesem Trend hat besonders Sun gelitten. Der Servermarkt war 2008 weltweit um drei Prozent geschrumpft, berichtet die Research-Firma IDC. Sun verzeichnete beim Hardware-Absatz einen Einbruch um sieben Prozent. Glücklicherweise erweist sich der Bereich für kleine und mittelgroße Unternehmen von Sun als stabiler. Aber da der Hardware-Absatz auf den wichtigsten Märkten fast durchweg stagniert, könnte eine Übereinkunft mit IBM verhindern, dass Sun hinterm Horizont verschwindet.

Die Marktverschiebungen werden auch an IBM nicht spurlos vorübergehen. Zu allem anderen drängt jetzt auch noch Cisco auf den Server-Markt. Für die vier Unternehmen, die diesen Markt beherrschen - IBM, HP, Sun und Dell -, bedeutet dies, das ein ohnehin schon hartes Geschäft jetzt noch härter wird. Sich mit Sun zusammenzuschließen - besonders zu einem moderaten Preis - ist ein Weg, um es mit einem neuen Konkurrenten aufzunehmen.

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