Moody’s
Massenproduktion

Damit sich der Markt für strukturierte Kreditprodukte erholen kann, muss er stärker standardisiert werden. Diese Einschätzung der Rating-Agentur Moody’s ergibt Sinn. Aber die Rating-Agenturen haben an der sich ständig erhöhenden Vielschichtigkeit des Marktes gut verdient. Eine Rückbesinnung auf das Wesentliche könnte ihre Gewinne gefährden.

Die Schwindel erregende Vielschichtigkeit strukturierter Kreditprodukte ist ein Segen für die Rating-Agenturen gewesen. Sie haben sehr gut damit verdient, Wertpapiere mit Noten für ihre Kreditwürdigkeit zu versehen, die mit Pools anderer riskanter Vermögenswerte, wie z. B. Subprime-Hypotheken zweitklassiger Bonität, besichert sind. Aber die Zeiten, in denen man mit diesen Produkten locker Geld machen konnte, sind vorbei. Und die Rating-Agentur Moody’s, die gerade einen Gewinnrückgang um 13 Prozent im dritten Quartal ausgewiesen hat, ist der Meinung, dass die Erholung der Kreditmärkte teilweise von der Rückführung der Komplexität und von einer größeren Standardisierung dieser Instrumente abhängt.

Das ergibt Sinn. Schließlich haben die Märkte für standardisierte Wertpapiere, die mit Kreditkartenforderungen oder Autofinanzierungen unterlegt sind, nicht allzu sehr gelitten. Natürlich haben auch sie die Auswirkungen des Wertverlustes komplexer CDOs (Collateralised debt obligations), die durch forderungsbesicherte Wertpapiere unterlegt sind, auf den breiteren Markt zu spüren bekommen. Aber die Händler sind sicher, dass sie bei diesen vielfach erprobten, standardisierten Investments akkurate Marktkurse ermitteln können.

Natürlich wäre ein Übergang zu einer standardisierten Form von forderungsbesicherten CDOs, also von Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt und mit unterschiedlichen Kreditrisiken behaftet sind, nicht unproblematisch. Trotz ihres Rufs als zweifelhafte Gebührenmaschine für die Banker, gibt es eine legitime Daseinsberechtigung für diese maßgeschneiderten Instrumente – zwar nicht für den Mischmasch an riskanten Hypotheken und Stückchen anderer CDOs, der sich allgemein durchgesetzt hat, aber für genauer auf ihr Ziel ausgerichtete Strukturen. Eine Bank in Massachussetts könnte zum Beispiel ein CDO, das durch texanische Hypotheken abgesichert ist, einsetzen, um die Risiken ihrer Engagements auf dem Immobilienmarkt in Neuengland zu streuen. Ein standardisierter forderungsbesicherter CDO könnte möglicherweise für diese Bank nicht das Richtige sein.

Da aber die Investoren standardisierte Abschlüsse besser verstehen könnten, wären sie vermutlich auch eher bereit, damit zu handeln. Das würde ein großes Problem lösen, das die Kreditmärkte plagt, nämlich die Unfähigkeit, einen Marktkurs für illiquide CDOs zu stellen.

Natürlich könnte das zu niedrigeren Gebühren für die Rating-Agenturen führen, da die Abschlüsse leichter zu analysieren wären. Da der Ruf der Agenturen aber schwer angeschlagen ist, dürfte das das kleinste ihrer Probleme sein. Auf jeden Fall ist Moody’s der Meinung, dass das Volumen forderungsbesicherter CDOs im kommenden Jahr um mehr als die Hälfte schrumpfen könnte. Wenn der Umfang standardisierter CDOs kräftig wachsen würde, dann könnte das den Ergebnissen der Ratingagenturen wieder aufhelfen, da sie dann ihre Gebühren bei mehr Abschlüssen sammeln würden. Wenn nicht, dann würde sich damit wenigstens das Risiko vermindern, dass die Agenturen selbst über die Komplexität der Papiere stolpern.

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