Morgan Stanley
Ein fallendes Messer

Die Bemühungen des Chefs von Morgan Stanley, es Goldman Sachs gleich zu tun, sind nach hinten losgegangen. Die Handelsverluste der Investmentbank haben die Fortschritte in anderen Bereichen zunichte gemacht. Eine größere Risikobereitschaft hat die notwendige gegenseitige Kontrolle verdrängt. Mack ist zwar weniger verletzlich, als es etwa O’Neal von Merrill Lynch war, aber im besten Fall steht er wieder ganz am Anfang.

John Macks Projekt, Morgan Stanley stärker an dem Modell von Goldman Sachs auszurichten, hat sich erledigt. Die Abschreibung der Investmentbank über 9,4 Mrd. Dollar im vierten Quartal, die hauptsächlich auf einen einzigen schlecht durchdachten Abschluss mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität zurückzuführen ist, ist äußerst peinlich. Sie überschattet die gute Arbeit, die in anderen Bereichen geleistet worden ist. Und sie wirft Fragen auf, ob das Unternehmen in der Lage ist, seine Strategie umzusetzen.

Nachdem Mack 2005 mit Glanz und Gloria zu Morgan zurückgekehrt war, war er daran gegangen, die Risikofreude seiner Mitarbeiter anzustacheln. Aber das Problem dabei war immer, ob die Risikobereitschaft die Risikokontrolle übersteigen würde – die Disziplin, die Goldman in den vergangenen Monaten so glänzend unter Beweis gestellt hat. Und die Risikofreude war größer. Ein Handelsabschluss im Zusammenhang mit Subprime-Hypothekendarlehen hat bis Ende November Verluste über 7,8 Mrd. Dollar angehäuft nach einem Fehlbetrag von 3,7 Mrd. Dollar vor einem Monat.

Während Macks Amtszeit wurden damit mehrere Milliarden Dollar an wirtschaftlichen Werten zerstört, schätzt Sanford Bernstein. Rechnet man jeder Morgan-Aktie eine halbe Aktie aus der jüngsten Abspaltung von Discover wieder hinzu, dann stehen die Aktionäre kaum besser da, als zum Zeitpunkt seines Amtsantritts

.

Das Unternehmen hat Schritte unternommen, um eine Wiederholung auszuschließen. Die Führungsebene wurde verstärkt und die langjährige Verbündete von Mack, Zoe Cruz, wurde abgelöst. Die Bank hat ihre Positionen detailliert offen gelegt und scheint bei den Abschreibungen aggressiver vorgegangen zu sein als so manche andere Wall Street-Firma. Und die neue Kapitalspritze über fünf Mrd. Dollar von der China Investment Corp. könnte Morgan Stanley besonders für das strategisch wichtige China-Geschäft empfehlen und zudem ihr Kapitalpolster aufbessern.

Viele der Geschäftsbereiche der Bank laufen gut. Im Investment Banking und bei Dividendenpapieren etwa wurden Rekordeinnahmen erzielt. Da der Ausblick aber alles andere als rosig ist, hat die Firma ihr Risiko sowohl im Allgemeinen – gemessen am „Value at risk” per Ende November - als auch im Besonderen zurückgeschraubt, indem sie zum Beispiel ihr Engagement bei Wertpapieren, die durch Hypotheken auf Gewerbe-Immobilien besichert sind, kräftig reduziert hat.

Und doch gibt es Ähnlichkeiten mit Merrill Lynch, bei der die Einschläge in der Bilanz, die durch Subprime-Hypotheken ausgelöst worden waren, die ansonsten ordentliche Geschäftentwicklung schwer in Mitleidenschaft gezogen und dazu beigetragen haben, dass Stan O’Neal den Chefsessel räumen musste. Mack hat mehr Unterstützer innerhalb und außerhalb von Morgan Stanley. Er hat es abgelehnt, für 2007 einen Bonus anzunehmen, er hat sich dazu bekannt, für die Probleme verantwortlich zu sein, und er hat sein Team verstärkt. So weit, so gut. Aber die Strategie des 63jährigen Managers – oder zumindest deren Umsetzung – sieht fadenscheinig aus. Er wollte zeigen, dass eine größere Risikobereitschaft zu einem langfristigen Wertzuwachs führt. Jetzt steht er wieder am Ausgangspunkt.

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