Morgan Stanley
Fallendes Messer

Die Aktien von Morgan Stanley waren am Dienstag im Handelsverlauf an der Wall Street um 40 Prozent gefallen, bevor die Einbußen gegen Ende der Sitzung eingegrenzt werden konnten. Der Kurseinbruch war teilweise auf – offenbar unzutreffende - Gerüchte zurückzuführen, die Kapitalspritze für die Firma über neun Mrd. Dollar von Mitsubishi UFJ sei in Gefahr. Bis die ehemalige Investmentbank nicht eine große Portion an frischem Kapital erhalten hat, wird sie weiter der Angst um ihre Illiquidität ausgesetzt bleiben.

Der Chef von Morgan Stanley, John Mack, hatte sich für den derzeit in den USA noch geltenden Stopp von Leerverkäufen auf Finanztitel stark gemacht. Doch auch damit ließ sich nicht verhindern, dass die Aktien der ehemaligen Investmentbank am Dienstag im Verlauf der Sitzung in Wall Street um 40 Prozent nachgaben, um mit einem Minus von 25 Prozent zu schließen. Der Kurseinbruch war teilweise auf - offenbar unzutreffende - Gerüchte zurückzuführen, denen zufolge die erwartete Kapitalspritze über neun Mrd. Dollar für Morgan Stanley durch die japanische Mitsubishi UFJ in der Schwebe sei. Die Firma wird so lange den Ängsten um ihre Illiquidität ausgesetzt bleiben, bis sie nicht wenigstens eine große Portion an frischem Kapital erhalten hat. Und in derart instabilen Märkten kann schon allein die reine Wahrnehmung möglicher Risiken zur Realität werden.

Schließlich sieht die frisch aus der Taufe gehobene Bankholding immer noch labil aus. Für eine Geschäftbank scheint sie immer noch einen zu hohen Anteil an Fremdkapital mit sich herumzuschleppen - die gesamten Aktiva beliefen sich per Ende August auf das 24fache des materiellen Eigenkapitals. Die Kapitalspritze durch Mitsubishi UFJ sollte ihre Eigenkapitalquoten erheblich verbessern. In der Zwischenzeit sind allerdings ihre Finanzierungskosten in den Himmel geschossen. Einen Hinweis darauf geben die Kosten für eine Absicherung gegen einen möglichen Zahlungsverzug der Firma, die auf dem Markt für Credit Default Swaps über zehn Prozentpunkte jährlich für einen Zeitraum von fünf Jahren betragen. Vor einem Monat hatten die Kosten bei etwa zwei Prozentpunkten gelegen.

Der Konkurrent Goldman Sachs hatte sich vor zwei Wochen eine Kapitalzufuhr über fünf Mrd. Dollar von Warren Buffetts Firma Berkshire Hathaway gesichert und weitere fünf Mrd. Dollar bei einem öffentlichen Verkauf von neuen Aktien eingesammelt. Seine Franchise und seine Finanzlage werden stärker eingeschätzt als die von Morgan Stanley - daher verloren die Aktien von Goldman am Dienstag, obwohl sie ebenfalls in den Abwärtssog gerieten, nur relativ moderate sieben Prozent.

Nach Angaben von Morgan Stanley soll ihr Deal mit Mitsubishi an diesem Wochenende abgeschlossen werden. Vorausgesetzt dies tritt ein, dann sollte der Abschluss nicht nur das Kapital der US-Firma stützen, sondern beiden Partnern Türen öffnen. Dies wäre ein Schritt hin zu größerer Stabilität.

Bis dahin bleibt Morgan Stanley - obwohl man sie mit Vermögenswerten von knapp einer Bill. Dollar kaum als klein bezeichnen kann - zu Recht oder zu Unrecht in der unglücklichen Lage, nach Bear Stearns und Lehman Brothers als die Firma angesehen zu werden, die am verletzlichsten ist - auch wenn sie jüngst ihren Status geändert und jetzt Zugang zu Mitteln der US-Notenbank Fed Reserve hat. Das US-Verbot für Leerverkäufe läuft am Mittwochabend aus. Mack muss darauf hoffen, dass die Ängste der Investoren nicht wieder die Oberhand gewinnen, bevor er das Geld von Mitsubishi in den Händen hält.

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