Morgan Stanley
Macks böses Abschiedsgeschenk an Blankfein

Der scheidende Chef von Morgan Stanley, John Mack, wird erneut auf einen Bonus verzichten, auch wenn der Genesungsprozess der Bank voranschreitet. Zwar mag seine Entscheidung von der PR-Perspektive her die sicherste sein, dennoch könnte sie auf unterschiedliche Weise ausgelegt werden.
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John Mack wird das dritte Jahr in Folge auf seinen Bonus verzichten. Er wolle keinen Cent, ließ der scheidende Chef von Morgan Stanley wissen, auch wenn der Genesungsprozess der Bank voranschreitet. Wenn Lloyd Blankfein, sein Gegenspieler bei Goldman Sachs, auf seinen Anteil am 20 Mrd. Dollar schweren Bonustopf des Wall Street-Titanen spekuliert, dann hat Macks Entscheidung seiner PR-Abteilung das Leben noch schwerer gemacht. Und das gilt auch für den Rest von Macks Branchenkollegen an der Wall Street.

Als die Bankenkrise im vergangenen Jahr ihren Höhepunkt erreicht hatte, befand sich Morgan Stanley sicherlich noch einen Schritt näher am Abgrund als Goldman. In einem Brief an die Mitarbeiter, den Mack vor seinem Rücktritt vom Amt des Chief Executive der Bank zum Jahresende geschrieben hat, erkennt er denn auch die Rolle an, die die US-Regierung bei der Absicherung der Finanzwelt gespielt hat. Und er verweist auf die Notwendigkeit einer strengeren Regulierung.

Trotzdem könnte man Argumente dafür vorbringen, dass Mack einen Bonus einstreicht, bevor er seinem Nachfolger James Gorman den Chefsessel überlässt. Er wird nämlich im Amt des Chairman weiter für die Bank arbeiten. Wie andere Banken ist auch Morgan Stanley wieder auf dem Damm und wird die Zahlungen an die Spitzenkräfte wahrscheinlich wiederaufnehmen, die im vergangenen Jahr für den Großteil der Branche ausgesetzt worden waren.

Der konservative Kurs, den Morgan Stanley nach der Krise eingeschlagen hat, hat dazu geführt, dass die Bank im dritten Quartal eine sehr bescheidene Eigenkapitalrendite von 5,8 Prozent aufgewiesen hat. Analysten gehen davon aus, dass die Firma im Gesamtjahr einen moderaten Verlust schreiben wird. Auch wenn Mack einen Bonus rechtfertigen könnte, würde dieser bei weitem nicht so üppig ausfallen können wie der, den Blankfein bei Goldman geltend machen könnte, denn das Geschäft des Wall Street-Primus läuft wieder auf vollen Touren und wird gewaltige Gewinne abwerfen.

Allerdings ist Goldman aufgrund einer vermeintlichen Sonderbehandlung bei der Rettung und der rund 20 Mrd. schweren Boni-Zahlungen, die die Bank wohl plant, in der Politik und in der Öffentlichkeit ins Kreuzfeuer geraten. Deswegen war der Bonus für den Boss ohnehin schon ein heikles Thema. Und nachdem Mack jetzt laut und deutlich "Nein, danke" gesagt hat, wird das Eintreten für einen Bonus - das unter normalen Unständen vertretbar wäre - bei Goldman und anderswo um ein Vielfaches schwieriger.

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