Morgan Stanley
Passiver Investor gesucht

Morgan Stanley verkauft ihren Anteil an dem chinesischen Wertpapierhaus CICC. Ohne die Kontrolle erreichen zu können, sah sich die Wall Street-Firma nicht in der Lage, ihre strategischen Pläne voranzubringen. Als Entschädigung könnten allerdings die Renditen von 30 Prozent dienen.
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Morgan Stanley verkauft ihren Anteil an einer chinesischen Investmentbank. Es hatte sich als schwer realisierbar erwiesen, die Kontrolle über das Wertpapierhaus zu erlangen. Wer auch immer die 34 Prozent von Morgan Stanley an der China International Capital Corp (CICC) kauft, dürfte dies ebenfalls nicht schaffen. Doch davon sollten sich potenzielle Bieter nicht abschrecken lassen. Eine passive Beteiligung an der CICC könnte reizvoll sein - wenn die Wall Street-Bank sie finanziell attraktiv gestaltet.

In der CICC hatten sich einst die großen chinesischen Hoffnungen von Morgan Stanley manifestiert. Die US-Firma hatte den Anteil im Jahr 1995 für 35 Mill. Dollar gekauft und hart daran gearbeitet, die Leistungsfähigkeit des Wertpapierhauses auszubauen und die bei dem Unternehmen beschäftigten Banker auf ihren Stil hinzutrimmen.

Doch die engen Verbindungen der CICC zur Regierung - der Vorstandsvorsitzende Zhu Levin ist der Sohn eines ehemaligen chinesischen Regierungschefs - erwiesen sich als zweifelhafter Segen. Die Investmentbank konnte sich zwar ihre Kunden unter den staatlichen chinesischen Firmen aussuchen. Aber Morgan Stanley blieb außen vor, wenn es bei dem Unternehmen um große strategische Entscheidungen ging. Konkurrierende westliche Banken wie die UBS, Goldman Sachs und Credit Suisse dagegen haben es geschafft, sich Einfluss im operativen Geschäft zu sichern, auch wenn sie nur über Minderheitsbeteiligungen verfügen.

Morgan Stanley hat jetzt mit der China Fortune Securities einen fügsameren Partner in der Region an Land gezogen. Doch gemäß den chinesischen Gesetzen kann die Firma den Zusammenschluss nicht vollziehen, bis nicht die Trennung von der CICC abgeschlossen ist.

Die CICC wiederum hat kaum Bedarf an einem weiteren strategischen Investor. Das Haus belegt in diesem Jahr nach Angaben von Dealogic hinsichtlich chinesischer M&A-Beratung und der Emission von Aktien und Schuldtiteln bereits den Spitzenplatz. Der Reiz der Investition besteht darin, sich frühzeitig zu beteiligen, bevor die Firma wahrscheinlich in den kommenden drei bis fünf Jahren in China an die Börse geht.

Dieser Zeithorizont könnte vielleicht nach dem Geschmack eines Käufers aus der Private Equity-Branche sein. Sicherlich wird der neue Eigner des Anteils bei einem zur Diskussion stehenden Preis von 1,2 Mrd. Dollar kaum mit der Anlagenrendite von Morgan Stanley gleichziehen können, die das 34fache der ursprünglichen Investition - eine aufs Jahr hochgerechnete Rendite von 30 Prozent - erreicht hat. Aber in der CICC steckt noch Wachstumspotenzial. Bisher hat sie sich im Handel mit Sekundärmarktiteln nur versucht und im Ausland kaum Beratertätigkeiten ausgeübt.

Und was die Kontrolle angeht, so mag sie überschätzt werden. Selbst wenn Morgan Stanley bei der China Fortune Securities am Steuer sitzt, wird die Firma hinter den Konkurrenten liegen, die bereits im Geschäft sind. Alle westlichen Banken werden erst dann eine echte Mehrheitsbeteiligung erreichen können, wenn die Aufsichtsbehörden dies zulassen - und dann zu einem hohen Preis. Nur Beifahrer zu sein, kann finanzielle Vorzüge haben.

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