Morgan Stanleys Verluste
Stachel im Fleisch

Morgan Stanleys Banker wichen den Hypothekenproblemen, mit denen Citi und Merrill zu kämpfen haben, erfolgreich aus. Aber der Eigenhandel brachte die Bank mit Shortpositionen in die Bredouille, bei denen die Rechnung nicht aufging. Nimmt man die Verluste aus quantitativen Handelsmodellen und Finanzprodukten mit hohem Kredithebel hinzu, sieht es ganz danach aus, dass Macks Frontalangriff auf Goldmann sich jetzt rächt.

Viele Banken an Wall Street und darüber hinaus, haben sich mit ihrer Wette auf einen länger anhaltenden Subprime-Boom verrechnet. Nicht Morgan Stanley. Der Bank gelang es, Verluste aus dem Geschäft mit hypothekenbesicherten Anleihen zu vermeiden, die Citigroup und Merrill Lynch 18 Mill. Dollar kosteten. Aber was die Subprimes nicht schafften, gelang den Proprietary Traders der Bank. Sie verursachten einen Abschreibungsbedarf in Höhe von 3,7 Mill. Dollar zusätzlich zu den Verlusten aus quantitativen Handelsmodellen und strukturierten Produkten mit hohem Kredithebel. Für Bankchef John Mack könnte der Angriff auf den Handelsprimus der Branche, Goldman Sachs, damit zum Fehlschlag werden.

Die traurige Ironie für die Leute im Eigenhandel ist, dass sie eigentlich die richtige Idee hatten. Im vergangenen Dezember entschieden sie, dass der Subprime-Hypothekenmarkt seinen Zenit nun erreicht habe, und gingen hohe Shortpositionen ein. Die Rechnung ging über einen Großteil des Jahres auf. Allerdings verfiel der Markt in den vergangenen Monaten stärker als antizipiert, wodurch die Shortposition de facto zur Longposition wurde. Inzwischen waren aber auch die Kosten für die Absicherung zu teuer geworden, ein Hedging der Position also nicht mehr möglich.

Aber die unglücklichen Umstände dürften die Morgan-Aktionäre kaum beschwichtigen. Zu sehr haben sie sich in den rund anderthalb Jahren seit der Ablösung des konservativen Phil Purcell durch John Mack davon überzeugen lassen, höhere Risiken zu akzeptieren. Für eine Weile ging die Strategie auf und der Aktienkurs schoss nach oben. Aber nach dem jüngsten Stolpern hat das Unternehmen rund fünf Mill. Dollar an Umsätzen eingebüßt – und die Hypothekenwette könnte noch schlimmer ausgehen. Inzwischen steht die Aktie unterhalb des Kurses, bei dem Mack das Ruder übernahm.

Zugutehalten muss man Morgan Stanley auf der anderen Seite seinen Keine-Übrraschungen-Ansatz. Das Unternehmen hat sehr viel ausführlicher als seine Konkurrenten darüber Rechenschaft abgelegt, wie es zu dem Schlamassel kommen konnte. Aber der Markt muss jetzt den Schreck verdauen, dass auch Shortpositionen gewaltig in die Hose gehen können. Investoren sollten jetzt auch von anderen Unternehmen, bei denen hohe Shortpositionen vermutet werden – wie bei Goldman und Lehman Brothers – lautstark Aufklärung fordern. Auch die Steuermänner dieser Unternehmen sind als geschickte Risikostrategen bekannt. Aber bevor sie den Investoren nicht reinen Wein einschenken, kann man nur hoffen, dass sie bessere Arbeit als Mack geleitet haben.

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