Motorola
Mit stumpfer Razr-Klinge

Motorola will seine kriselnde Handy-Sparte abspalten. Analysiert man die Summe aller Teile, dann stellt sich heraus, dass dieser Bereich die anderen Geschäfte von Motorola tatsächlich belastet. Die Aktie könnte also von einer Entflechtung profitieren. Aber die Abspaltung wird das eigentliche Problem nicht lösen: Motorola fehlt ein neues durchschlagendes Produkt.

Die Entflechtung von Motorola wird die Schwächen des Unternehmens nicht beheben. Die US-Technologiegruppe will ihre kriselnde Handy-Sparte im kommenden Jahr abspalten. Das ist keine allzu schlechte Idee. Derzeit bewertet der Markt den Bereich als Belastung für die Wertentwicklung der anderen Geschäfte von Motorola. Seine Abspaltung könnte deshalb zwar der Aktie auf die Sprünge helfen, aber sie wird das eigentliche Problem nicht lösen: Die Unfähigkeit der Firma, ein neues, Bahn brechendes Handy zu entwerfen.

Noch sind die Details der Trennung wenig konkret. Motorola muss erst noch erklären, wie die angehäuften Barmittel aufgeteilt werden, ob die neue Gesellschaft um eine Kapitalspritze ersuchen wird, wer den Handy-Bereich leiten soll oder welches Unternehmen die Rechte auf den Namen Motorola erhalten wird.

Die Analyse der Summe aller Teile untermauert jedoch die Entscheidung des Managements, eine Abspaltung voranzutreiben. Abgesehen vom Handy-Geschäft verfügt Motorola über drei weitere wichtige Bereiche. Ihr rentables Geschäft mit Privatkundennetzwerken ist fünf Mrd. Dollar wert, wenn man konservativ ein Vielfaches von eins des Umsatzes zugrunde legt. Der Bereich Telekom-Infrastruktur sollte vergleichbare Umsätze aufweisen. Bei einem Vielfachen, das in der Mitte zwischen dem von Alcatel und Ericsson liegt, ergibt sich ein Wert von etwa vier Mrd. Dollar. Und der Firmenkundenbereich Mobilität, der unter anderen Strichkode-Scanner und Notfallkommunikationsausrüstungen enthält, sollte einen Umsatz von acht Mrd. Dollar erzielen.

Vergleichbare Unternehmen werden mit einem Vielfachen von etwa 1,3 des Umsatzes gehandelt, berichtet die Research-Abteilung von Citigroup. Dies bedeutet, dass sich der Wert dieses Bereichs auf etwa zehn Mrd. Dollar beläuft.

Fügt man noch die Barmittel in der Bilanz hinzu, dann ergibt sich ein Wert für die gesamte Firma – ohne die Handy-Sparte - von rund 24 Mrd. Dollar. Der Gesamtwert des Unternehmens erreicht allerdings nur 17 Mrd. Dollar. Mit anderen Worten ist der Markt offenbar der Meinung, dem Handy-Bereich hafte ein umfangreicher negativer Wert an, selbst wenn er in diesem Jahr einen Umsatz über 13 Mrd. Dollar erwirtschaften dürfte.

Die Wall Street hat gute Gründe für ihre Abneigung. Der Absatz von Handys war im vierten Quartal um 38 Prozent zurückgegangen, der Bereich verlor fast 400 Mill. Dollar. Und das laufende Quartal könnte sogar noch schlimmer ausfallen. Mehrere Zulieferer für Handy-Hersteller haben vor einer Verlangsamung der Auftragseingänge gewarnt. Und der südkoreanische Rivale LG hat über kräftige Gewinne auf Kosten von Motorola berichtet.

Aber dieser Abschlag ist dennoch zu hart. Der Bereich könnte immer noch Interessenten anlocken. Und einige Handy-Produzenten haben in der Vergangenheit gezeigt, dass ein Comeback möglich ist, selbst wenn dies als völlig unwahrscheinlich eingestuft worden war. Der Schlüssel liegt darin, ein Telefon entwerfen, das die Kunden wollen. Das Unternehmen abzuspalten, ist ein guter Weg, um Werte zu schaffen. Aber dies bleibt doch alles nur eine nebensächliche Spielerei - verglichen mit den Erträgen, die man mit dem Entwurf eines angesagten neuen Handys einfahren könnte.

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