Motown Detroit: Detroit schaltet zurück

Motown Detroit
Detroit schaltet zurück

Könnte eine Rezession für Detroit günstige Auswirkungen haben? Das ist gar nicht so abwegig. Eine Konjunkturflaute könnte Ford und General Motors dabei unterstützen, ihre Umstrukturierungspläne voranzutreiben und schneller wettbewerbsfähiger zu werden. Aber es gibt beträchtliche Risiken. Je länger eine mögliche Rezession dauert, desto wackliger werden die Autohersteller aus Detroit da stehen.

Es lässt sich jetzt schon absehen, dass dieses Jahr wieder hart für die Autobauer aus Detroit wird. So wenige neue Modelle zieren die Fabriken der US-Hersteller, dass ein Auto aus Indien zum Hauptgesprächthema auf der in dieser Woche stattfindenden North American International Auto Show in Detroit avanciert ist. Dabei wird der Nano, das „Volksauto“ von Tata Motors für 2 500 Dollar, noch nicht einmal dort ausgestellt.

Die Aussichten kann man kaum als rosig bezeichnen. Eigentlich bräuchten General Motors, Ford und Chrysler ein Jahr 2008 ohne große Ereignisse, damit sie ihre jüngsten Umstrukturierungsbemühungen vertiefen könnten. Aber es sieht so aus, als braue sich eine Rezession zusammen. Branchenbeobachter gehen schon davon aus, dass die Autoproduktion in diesem Jahr um weitere fünf Prozent oder mehr fallen wird. Und bei den Aktionären überwiegen eindeutig die Bedenken: Seit den Bahn brechenden Abkommen über die Gesundheitskosten mit der Gewerkschaft UAW im Oktober haben die Titel von GM 45 Prozent und die von Ford um ein Drittel verloren.

Allerdings könnte es auch sein, dass den Autobauern eine Konjunkturflaute gelegen kommt. Das erschließt sich natürlich nicht auf den ersten Blick. Denn wenn die Verbraucher die Anschaffung eines Neuwagens verschieben, kämen Ford und GM weiter unter Druck, die laut Goldman Sachs in den kommenden Jahren wahrscheinlich sowieso schon jeweils 20 Mrd. bzw. sechs Mrd. Dollar verbrennen dürften - zusammen mit der jetzt privaten Chrysler. Darüber hinaus würde ein gesunkener Kfz-Absatz die Ergebnisse ihrer Finanzeinheiten beeinträchtigen, die zudem die Rückstellungen für instabil werdende Kredite erhöhen müssten.

Aber in wirtschaftlich härteren Zeiten, die vielleicht rund ein Jahr anhalten, könnte es für die Detroiter Manager leichter sein, weitere Produktions- und Stellenkürzungen durchzudrücken. Der Chef von Ford, Alan Mulally, hat bereits versprochen, die Produktion jeden Monat neu zu bewerten. Jetzt eine schärfere Gangart einzuschlagen, wäre kurzfristig schmerzhaft, aber sie führt vielleicht dazu, dass die Autobauer wettbewerbsfähiger sind, wenn sich die Märkte erholen.

Ein solches Vorgehen käme allerdings einem Hochseilakt gleich. Jeder Schritt in diese Richtung würde wahrscheinlich den Zorn der UAW entfachen und die Gefahr lähmender Streiks heraufbeschwören. Und selbst wenn diese ausblieben, würden die Finanzen der Produzenten aus Motown umso stärker belastet, je länger die Rezession dauerte. Zum einen steigen die Preise für Metall und andere Rohmaterialien immer noch, weshalb sich die Gewinne nicht so leicht aufbessern lassen. Zum anderen könnte es wieder zur Verlockung werden, den Käufern kostspielige finanzielle Anreize anzubieten, wenn sich die Autos wirklich kaum noch losschlagen lassen.

Diese Lockmittel reißen aber ein Loch in die Cash-Rücklagen. Und ein branchenweiter Kampf um die Marktanteile würde den “Großen Drei” aus Detroit den größten Schaden zufügen. Mit ihren stärkeren Bilanzen sind Toyota und andere ausländische Konkurrenten viel besser in der Lage, einen Preiskrieg durchzustehen.

Die Motown-Manager, die sich auf die Kürzung der Produktionskapazität konzentrieren, können vielleicht der Idee einer kurzen, kräftigen Rezession etwas abgewinnen – nicht aber einem länger anhaltenden Abschwung. Allerdings ist das auch nicht gerade ein ausgeklügelter Geschäftsplan.

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