MTN/Reliance
Wie sieht der Deal denn nun aus?

Der geplante Zusammenschluss zwischen Reliance Communications und MTN über 80 Mrd. Dollar sieht gefährdet aus. Eine gerichtliche Auseinandersetzung bei Reliance schafft ein Klima der Unsicherheit. Die Investoren sind sich völlig im Unklaren darüber, ob der indisch-afrikanische Telekom-Deal überhaupt zustande kommt, oder wie er aussehen soll. Zusätzlich erschweren die rückläufigen Aktienkurse das Problem, sich auf die Konditionen zu einigen.

Reliance Communications (RCom) und MTN müssen den Investoren reinen Wein einschenken. Der geplante Zusammenschluss zwischen dem indischen und dem südafrikanischen Telekom-Betreiber über 80 Mrd. Dollar steht auf äußerst wackligen Füßen, wenn die Unternehmen ihre Marktkapitalisierung nicht stabilisieren können. Im vergangenen Monat hat RCom 25 Prozent an Wert verloren und MTN fast 15 Prozent.

Der Grund für die Unsicherheit ist eine gerichtliche Auseinandersetzung bei Reliance. Die Investoren waren von einem Abschluss ausgegangen, im Zuge dessen RCom zu einer Tochtergesellschaft von MTN werden würde. Doch dem Mehrheitsaktionär Anil Ambani, dem 65 Prozent an RCom gehören, wird von seinem verfeindeten Bruder Mukesh, der die andere Hälfte des geteilten Familienimperiums kontrolliert, sein Recht streitig gemacht, einen Teil seiner Beteiligungen in MTN-Aktien zu tauschen.

Der vor Gericht ausgetragene Bruderzwist war vor drei Wochen ans Tageslicht gekommen, und Anil Ambani scheint weit entfernt davon zu sein, ihn beilegen zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass MTN und Reliance den Deal nicht so ohne weiteres neu strukturieren können. Ein vielschichtiges Netz an politischen und aufsichtsbehördlichen Einschränkungen hatte beide Seiten veranlasst, sich überhaupt erst auf einen Reverse Takeover einzulassen, bei dem die kleinere die größere Gesellschaft übernimmt. Ein alternativ gestalteter Plan hat wahrscheinlich noch geringere Aussichten auf Erfolg.

Die Investoren sind also nicht wirklich im Bilde, ob ein Zusammenschluss überhaupt möglich ist und wie er aussehen könnte. Die Verhandlungen zwischen den beiden Gruppen sollen am 8. Juli beendet werden. Spekulationen gibt es dabei im Überfluss: eine komplette Übernahme von MTN durch RCom, das Auftreiben von zusätzlichem Kapital seitens einer Beteiligungsgesellschaft oder eines Staatsfonds zur Finanzierung des Vorhabens - um nur einige zu nennen.

Eines ist allerdings klar. Die von großen Schwankungen geprägten Aktienkurse von RCom und MTN machen eine ohnehin schon schwierige Aufgabe nur noch kniffliger. Sich auf die Konditionen für einen Aktientausch zu einigen, wird dadurch viel komplizierter. Um das Problem noch zusätzlich zu erschweren, sorgen sich die Investoren auf beiden Seiten auch noch darum, eine der beiden Parteien könnte bei einer Einigung den Kürzeren ziehen.

Wenn RCom und MTN ihre Aktienkurse stabilisieren wollen, sollten sie zwei Dinge klar stellen: Wird MTN sich erstens auf einen Abschluss einlassen, über dem juristische Unsicherheiten schweben und der möglicherweise durch die indischen Gerichte geschleppt wird? Und wie soll zweitens die Struktur des Zusammenschlusses letztendlich aussehen? Verlässliche Antworten auf diese Fragen könnten dazu beitragen, den Deal zu sichern - wenn es denn überhaupt noch einen gibt.

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