M&A-Bilanz: Microsoft kauft überteuert ein

M&A-Bilanz
Microsoft kauft überteuert ein

Die M&A-Bilanz von Microsoft ist von wachsender Verzweiflung geprägt. Für die Verluste schreibende Fast Search & Transfer hat der Software-Riese 1,2 Mrd. Dollar hingelegt. Das ist ein Aufschlag von 42 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte Microsoft eine Investition vorgenommen, die Facebook mit insgesamt 15 Mrd. Dollar bewertete. All dies spiegelt die Furcht des Unternehmens wider, von Google in den Schatten gestellt zu werden.

Ist das Selbstvertrauen von Microsoft in eine Midlife-Crisis geraten? Die jüngste M&A-Bilanz des Software-Riesen legt dies zumindest nahe. Es sieht ganz danach aus, als würde Microsoft bei seinem Versuch, mit Google und anderen Sternen am Web 2.0-Himmel mitzuhalten, am Verhandlungstisch herumgeschubst. In seinem jüngsten Anflug von Verschwendungssucht hat das Unternehmen 1,2 Mrd. Dollar für Fast Search & Transfer hingeblättert und damit einen saftigen Aufpreis in Kauf genommen.

Fast Search ist ja auch beileibe kein schlechtes Unternehmen. Es unterstützt Firmen dabei, ihre Datenbanken zu durchforsten. Microsoft kann es sich nicht leisten, dass ein Konkurrent wie Google einen solchen Dienstleister in die Enge treibt. Aber der Preis, den es dafür zahlt, sieht haarsträubend hoch aus: Er beläuft sich auf das 48fache der für 2010 erwarteten Ergebnisse und entspricht einem Aufschlag von 42 Prozent gegenüber dem Aktienkurs der norwegischen Firma.

Und das ist kein Einzelfall. Vor ein paar Monaten hat das Software-Unternehmen 240 Mill. Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook locker gemacht. Die Site für soziale Netzwerke, die 150 Mill. Dollar umsetzt, wurde durch diese Investition mit insgesamt 15 Mrd. Dollar veranschlagt. Im vergangenen Mai, nachdem Microsoft im Rennen um DoubleClick von Google geschlagen worden war, hatte das Unternehmen einen Aufpreis von 85 Prozent für die Werbeagentur aQuantive hingenommen.

Microsoft ist so spendabel, weil die Firma vom Aufstieg von Google genervt ist. Google verfügt über Werbeeinnahmen, die Microsoft trotz der Milliarden, die es in das Geschäft mit der Internetsuche investiert hat, bisher nicht erreichen konnte. Diese Einnahmen unterstützen möglicherweise die fast kostenlosen Software-Angebote von Google, die mit den Kernprodukten von Microsoft konkurrieren.

Deshalb ist es nur zu verständlich, dass Microsoft nervös ist. Aber überteuerte M&A-Transaktionen werden diese Probleme nicht lösen. Microsoft hinkt beständig hinterher, wenn es um die Entwicklung von Anwendungen wie soziale Netzwerke und anspruchsvolle Suchfunktionen geht. Ihre technisch überladenen Produkte sind immer noch zu komplex. Die Antwort auf die Probleme des Unternehmens muss von innen kommen.

Die ausschließliche Konzentration auf die Internetsuche erleichtert es Google, seinen begeisterten Mitarbeitern seine Mission näher zu bringen. Microsoft, bei der das Desktop-Monopol ihre Ausflüge in die Bereiche Verbraucherelektronik, Spiele und in Dutzende anderer abgelegener Geschäfte finanziert, ist weniger gut ausgestattet, um den wendigeren Konkurrenten zu bezwingen. Das Geschäft in seine Bestandteile zu zerlegen, wäre eine bessere Option, als ihm durch überteuerte Zukäufe Schicht um Schicht hinzuzufügen.

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