Murdoch macht Druck
FT.com in der Klemme

Privat sprechen Führungskräfte oft davon, ihre Konkurrenten zu vernichten. In aller Öffentlichkeit kommt das deutlich seltener vor. Doch Rupert Murdochs Oberleutnant tat jüngst genau das – wie er sagt, im Spaß – als er über die Financial Times sprach.

Murdoch, dem bald das Wall Street Journal gehören wird, ließ auch anklingen, dass er den bezahlten Zugang zu den Online-Seiten wsj.com abschaffen werde. Die ebenfalls nur für Abonnenten zugängliche FT-Website wäre nicht das einzige Ziel eines solchen Schritts. Wahrscheinlich will er mit diesem Schachzug eher die sehr viel größeren freien Informationsanbieter wie Yahoo Finance herausfordern.

Aber sicher ist es der Aufmerksamkeit des Medienmoguls nicht entgangen, dass ein freier Zugang zu wsj.com die Daumenschrauben bei FT.com anziehen würde. FTs Antwort auf die lauernde Gefahr wirkt da schüchtern. Man werde das Subskriptionsmodell sehr bald zusammenstreichen - sodass die Leser pro Monat Zugriff auf 30 freie Beiträge haben. Wenn da nicht ein böser Preiskrieg drohen würde, könnte die Strategie aufgehen.

Nichts ist falsch daran, für erstklassige Beiträge auch erstklassige Preise zu fordern - vorausgesetzt das Angebot unterscheidet sich tatsächlich. Allerdings ändern die voraussichtlichen Murdoch-Pläne die Landschaft. FT.com könnte sich nicht nur der Konkurrenz eines freien Rivalen ausgesetzt sehen. Murdoch deutete auch an, dass er umfangreiche Investitionen in WSJs internationale Berichterstattung plant. Damit aber greift er den letzten großen Vorsprung der FT an.

Warum prescht die FT also mit ihrem Preismodell vor? Auch die Alternative wirkt nicht sehr vielversprechend. FT.com kassiert geschätzte 20 Millionen Dollar pro Jahr aus den Online-Abonnements. Wird der Zugang zur Webseite von den Kosten freigestellt, könnten die entgangenen Einnahmen durch größere Zugriffsraten und damit höhere Werbeerträge kompensiert werden.

Das ist es sicher, was auch Murdoch mit wsj.com im Sinn hat. Aber bevor der Plan aufgeht, wird es sicherlich eine Zeitspanne geben, in der die Verluste ansteigen. Murdoch hat tiefe Taschen und ist aus früheren Zeitungskriegen dafür bekannt, dass er dem Druck länger standhalten kann als die FT. Die Aktionäre von Pearson, der Muttergesellschaft der FT, sind nicht sehr entzückt darüber, in erster Linie beim Zeitungsgeschäft zu bleiben.

Das letzte Mal, als es zum Kampf Murdoch gegen Pearson kam, endete die Schlacht blutig. In den 1990er Jahren stritten sich Murdochs Sky Television und British Satellite Broadcasting, an der Pearson die Aktienmehrheit hatte, um die Vorherrschaft auf dem britischen Markt für bezahltes Fernsehen. Zwar überlebte keins der Unternehmen die Schlacht, aber Sky ging als Sieger hervor und leitete die erfolgreiche Übernahme seines Gegners ein.

Dow Jones, die gegenwärtige Muttergesellschaft von WSJ, ist Minderheitenaktionär bei breakingviews. Das WSJ veröffentlicht einen täglichen Breakingviews-Bericht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%