Kolumnen
Muss Schredder-Fred gehen?

Mit seiner Kehrtwende bei der Bezugsrechtsemission und durch seine überteuerte Akquisition von ABN Amro hat der Chef der Royal Bank of Scotland an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Wenn der Board an Sir Fred Goodwin festhalten will, wird er andere Skalps präsentieren müssen.

Sir Fred Goodwin muss sich eine Menge Fragen gefallen lassen. Der Chief Executive der Royal Bank of Scotland (RBS), auch bekannt als „Schredder-Fred“, hat im vergangenen Jahr die überteuerte Teilübernahme von ABN Amro durchgeboxt – eine Aktion, die die Bilanz seiner eigenen Bank zerpflückt hat. Jetzt da RBS eine Mega-Bezugsrechtsemission vorbereitet, um den Schaden wieder gut zu machen, sollte Sir Fred vielleicht selbst geschreddert werden?

Das ist eine der Schlüsselfragen, denen sich der Board von RBS widmen muss, wenn er sich an diesem Wochenende trifft. Gegen Goodwin spricht nicht nur, dass er zu viel für ABN ausgegeben hat. Er hat vor allem an Glaubwürdigkeit eingebüßt, indem er energisch betont hatte, dass RBS kein frisches Kapital aufnehmen muss – nur um dann zu einer Kehrtwende gezwungen zu werden. Es ist nicht einfach, eine Bank zu leiten, wenn die eigene Glaubwürdigkeit angekratzt ist.

Für Goodwin spricht, das er auf der operativen Ebene ein hervorragender Manager ist. Er hat sich seine Lorbeeren mit der Integration von NatWest am Anfang des Jahrzehnts verdient. Diese Begabung, Kosten einzustampfen, die ihm den Spitznamen „Schredder-Fred“ eingebracht hat, wird in den kommenden zwei Jahren dringend gebraucht, während ABN integriert wird.

Das Gegenargument würde ja vielleicht greifen, wenn RBS über einen starken Board verfügen würde. Aber, nach allem, was man hört, regiert Goodwin das Gremium mit eiserner Hand. Teilweise ist das darauf zurückzuführen, dass Chairman Sir Tom McKillop nur über eine geringe Erfahrung in finanziellen Angelegenheiten verfügt. Und der Rest des Verwaltungsrats scheint mit Ja-Sagern voll gestopft zu sein, von denen viele Mitglieder stärker damit beschäftigt sein sollen, den schottischen Stolz zu fördern als ihren Chief Executive unter Druck zu setzen. Und der seit langen Jahren amtierende, leitende unabhängige Director, Bob Scott, scheint nicht viel dafür getan zu haben, um als Gegengewicht zu fungieren.

Wenn Goodwin in seinem Amt bestätigt wird, besteht die Gefahr, dass er in ein paar Jahren einen neuen extravaganten Abschluss eingeht. Wenn der RBS-Board an ihm festhalten will, und sei es nur, um ABN zu integrieren, dann müssen andere Skalps geliefert werden. Entweder braucht die Bank einen starken, in Finanzfragen gewieften Chairman – oder allermindestens – einen neuen leitenden unabhängigen Director nebst mehreren willensstarken Board-Mitgliedern. Bleibt die Bank dahinter zurück, dann sollte Goodwin gehen.

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