Mutmacher
Ist die Wirtschaft nicht schön?

Paulson, Bernanke und Lazear reden die Wirtschaftslage schön und spielen die Schwierigkeiten herunter. Wenn sie glaubwürdig vorgebracht werden, heben solche Mutmacher von offizieller Seite die von Keynes beschworenen „Lebensgeister“ und steigern die kurzfristige Produktion. Aber optimistische Vorhersagen, die sich als unbegründet erweisen, können nach hinten losgehen und eine Glaubwürdigkeitslücke hinterlassen.

Der US-Finanzminister Hank Paulson, der US-Notenbankchef Ben Bernanke und der Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater für den amerikanischen Präsidenten, Edward Lazear, reden die Wirtschaft schön und spielen die Schwierigkeiten herunter. Wenn sie glaubwürdig sind, heben solche offiziellen Mutmacher die von Keynes beschworenen „Lebensgeister“ und damit auch die kurzfristige Produktion. Aber optimistische Vorhersagen, die sich als unbegründet erweisen, können nach hinten losgehen und eine Glaubwürdigkeitslücke verursachen.

Dafür gibt es zwei allzu bekannte Beispiele aus der Geschichte. Im Juni 1930 erklärte der damalige US-Präsident Herbert Hoover einer Delegation, die staatliche Bauvorhaben einforderte: „Meine Herren, sie sind 60 Tage zu spät dran. Die Depression ist vorbei.“ Und 1972 sagte Richard Nixon auf einer Versammlung der Republikanischen Partei: „Wie Sie wissen, hat diese Regierung die Inflation halbiert.“ Als sich die Konjunktur unter Hoover nicht erholte und die Teuerung unter Nixon und seinen Nachfolgern erst so richtig loslegte, war ihre Glaubwürdigkeit zerstört. Es dauerte Jahre, bis Prognosen von amtlicher Seite das Vertrauen der Märkte zurück gewinnen konnten.

Und auch alle drei Beispiele aus der jüngsten Geschichte sind dem Schicksal hilflos ausgeliefert. Paulsons Optimismus hinsichtlich der Kreditkrise setzt sich einfach über die Möglichkeit hinweg, dass sich die Schwierigkeiten bei den US-Verbraucherkrediten ausbreiten – selbst wenn die schlimmsten Probleme bei Subprime-Hypotheken nun offen zu Tage liegen sollten. Und die Ansicht von Lazear, dass die USA sich nicht in einer Rezession befinden, ist bestenfalls eine technische Auslegung. Das Amt für die statistische Beobachtung des US-Arbeitsmarkts hatte in dieser Woche mitgeteilt, dass der Wert der Realeinkommen im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent gesunken ist. Das legt nahe, dass sich für die amerikanische Öffentlichkeit, was ihren Lebensstandard angeht, eine Rezession bemerkbar macht, was auch immer die offiziellen Wachstumszahlen aussagen. Und Bernankes Glauben an eine sich abmildernde Inflation ist ja bereits in gewisser Weise widerlegt worden. Die Rohölpreise sind in den sechs Handelstagen nach der Prognose des Offenmarktausschusses der US-Notenbank, die Ölpreise würden sich stabilisieren, um mehr als sieben Prozent gestiegen.

Selbst Skeptiker lassen sich überreden, glaubwürdigen Prognostikern zu vertrauen, auch wenn deren Ansichten tendenziell rosig ausfallen. Das kann, zumindest kurzfristig, die Wirtschaftsaktivitäten ankurbeln. Das Problem dabei ist, dass - da auch die Wall Street an sich optimistisch ausgerichtet ist, - der einseitige Blick auf das Positive zu schönfärberischen wirtschaftlichen Entscheidungen führen kann, die länger anhaltende Probleme, wie die Inflation Nixons, und einen Verlust an Glaubwürdigkeit auslösen können, gerade wenn diese am meisten gebraucht wird. Wenn man die politisch Verantwortlichen davon überzeugen könnte, ihre Einschätzung, wie düster sie auch immer ausfallen mag, nach bestem Wissen und Gewissen zum Ausdruck zu bringen, dann wäre der wirtschaftliche Weg langfristig vielleicht weniger steinig.

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