Nach dem Madoff-Skandal
Dachfonds: Nackte Mittelsmänner

In den guten Zeiten gediehen die Dachfonds aufgrund der Nachfrage der Investoren, aufgrund zusätzlichen Fremdkapitals und ihrer Behauptung, bei der Sorgfaltsprüfung besonders glänzen zu können. Aber ihre Vermögenswerte waren 2008 um etwa 30 Prozent und damit schneller als die der Hedge Fonds eingebrochen - und zwar noch bevor die Tragweite des Madoff-Skandals erkennbar war. Viele von ihnen könnten verschwinden. Und vielleicht sollten sie das sogar.
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In den guten Zeiten gediehen die Dachfonds prächtig. Aber 2008 sanken die Vermögenswerte dieser Zwischenhändler bei Hedge Fonds-Investitionen um etwa 30 Prozent und damit stärker als die der Hedge Fonds selbst. Und dabei hatte sich die ganze Tragweite des Madoff-Skandals damals noch gar nicht abgezeichnet. Viele könnten verschwinden - und vielleicht sollten sie dies sogar.

Das ist ein hartes Urteil. Aber dabei sollte man die Untermauerung dieser Branche bedenken, die selbst nach den im vergangenen Jahr verzeichneten Rückschlägen Vermögenswerte von Anlegern über mehr als 600 Mrd. Dollar verwaltet, wie Hedge Fund Research (HFR) berechnet hat. Dachfonds wenden sich an Privatpersonen, Pensionskassen und andere, die meistens zu klein sind, um direkt in einen Hedge Fonds zu investieren. Während des Booms, der Mitte 2008 zum Stillstand kam, konnten es sich die Fondsmanager leisten, Anrufe kleinerer Investoren gar nicht erst entgegenzunehmen. Das sieht jetzt ein bisschen anders aus.

Dachfonds stellen zudem Zusatzgebühren in Rechnung - gewöhnlich fordern sie ein Prozent der Vermögenswerte und zehn Prozent der Gewinne ein, die zu den üblicherweise von Hedge Fonds erhobenen Gebühren von zwei und zwanzig dazukommen. Viele Dachfonds setzten zusätzliches Fremdkapital ein, um die Renditen zu vergrößern, so dass sie die Extragebühren möglicherweise wettmachen konnten. Das ist jetzt schwierig, wenn nicht unmöglich geworden. Trotz alledem entwickelt sich ein durchschnittlicher Dachfonds in der Regel schlechter als ein durchschnittlicher Hedge Fonds, schreibt HFR.

Außerdem galten die Dachfonds einmal als gutes Instrument zur Überprüfung von Hedge Fonds. Die Idee, dass sie zumindest Betrüger ausschließen könnten, war gar nicht so weit hergeholt. Aber das Schneeballsystem des Bernie Madoff über 50 Mrd. Dollar hat diese Einschätzung entwertet.

Der Madoff-Skandal war am 11. Dezember des vergangenen Jahres bekannt geworden. Die Zahlen zum Jahresende erfassen also das ganze Ausmaß, das der Betrug auf die Branche hat, noch nicht. Zu den Dachfonds, die unmittelbar betroffen sind, gehören einige der größten, zum Beispiel der schweizerische Union Bancaire Privée, der laut InvestHedge mit einem verwalteten Vermögen über 33 Mrd. Dollar per 31. Dezember auf Platz zwei der Branche rangiert.

Diese Unglückseligen verlieren wahrscheinlich ohnehin schon Investoren in Scharen. Selbst diejenigen, die auf Madoff tatsächlich nicht hereingefallen sind, müssen mit Druck auf die Gebühren rechnen. Einige der erfolgreicheren Dachfonds werden zweifelsohne gute Ergebnisse erzielen - es gibt immer noch einen Investorenstamm, der sie braucht. Aber den Anlegern stehen jetzt mehr Möglichkeiten zur Verfügung und ihnen sind die Augen geöffnet worden. Deshalb wird eine Branche, die sich von der obersten Sahneschicht der Hedge Fonds ernährt hat, zu Recht dramatisch schrumpfen.

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