Nach der Diviidendenkürzung
JP Morgan: Psst – ein Hoffnungsschimmer!

JP Morgan hat die Dividende gekürzt und Chef Jamie Dimon richtet den Kurs der Bank auf eine noch schlechtere Wirtschaftslage aus. Aber gleichzeitig sehen führende Vertreter des Instituts eventuell Anzeichen dafür, dass sich das Tempo der Immobilienkrise verlangsamen könnte. JP Morgan gehört zu den wenigen Banken, die es sich leisten können, sowohl vorsichtig als auch optimistisch zu sein.

Banker lassen sich einfach nicht mehr auf optimistische Vorhersagen ein. Nun, das ist ja auch kein Wunder, nachdem sie im vergangenen Jahr so oft fälschlicherweise behauptet hatten, die Kreditkrise liege in den letzten Zügen und die hypothekenbezogenen Abschreibungen hätten sich schon fast erledigt. Aber JP Morgan könnte - die Betonung liegt auf könnte - gerade einen Hoffnungsschimmer frei gelegt haben.

Ausgerechnet JP Morgan? Schließlich handelt es sich hierbei um dieselbe Bank, deren Board gerade erst vor ein paar Tagen entschieden hat, die Dividende um 87 Prozent zu kürzen, um fünf Mrd. Dollar pro Jahr für den Fall einzusparen, dass sich die Wirtschaftslage wirklich dramatisch zuspitzt. Und Bank-Chef Jamie Dimon - der den Investoren der Firma am Donnerstag zurief: "Wir werden schrecklich viel Geld verdienen - 2011" -, erklärte, er steuere die Bank so, dass sie im Stande ist, ein "aufs Äußerste angespanntes Umfeld" auszuhalten - eine zweijährige Rezession, eine Arbeitslosenquote von über zehn Prozent und einen Rückgang der Häuserpreise im Landesdurchschnitt um 40 Prozent von der Spitze bis zur Talsohle bzw. einen Rückgang um 25 Prozent oder darüber gegenüber den derzeitigen Werten. Das ist teilweise pessimistischer als die Annahmen, die das US-Finanzministerium ihrem insgesamt noch negativeren Szenario für die Belastungstests der Banken zugrunde gelegt hat.

Doch bei der Investorenversammlung verwies der Chef des Privatkundenbereichs der Bank, Charlie Scharf, gleichzeitig darauf, dass es eventuell einige Anzeichen dafür gibt, dass sich das Tempo der Immobilienkrise verlangsamen könnte. Zunächst einmal sei zu berichten, dass in den Büchern von JP Morgan, selbst wenn die Preisrückgänge insgesamt 40 Prozent erreichen würden, die Salden weniger Kredite auf Eigenheime, die auf der Höhe des Eigenkapitals basieren, sich auf den Hauswert oder darüber hinaus zu bewegten - das ist der Punkt, an dem die meisten Einbußen entstehen und der für 80 Prozent der Verluste der Bank bei diesen so genannten Home Equity Loans in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres verantwortlich war.

Die Verlustraten bei diesen Krediten steigen auch nicht mehr so schnell wie vorher. In der Spitze lagen die Verlustraten bei 16 Prozent binnen Jahresfrist, wenn der vollständige Wert des Eigenheims erreicht worden war. Im vergangenen Quartal ist diese Zahl auf elf Prozent gesunken und dürfte in diesem Quartal diesen Erholungskurs fortsetzen.

Zugegeben - niemand posaunt diese Zahlen herum. Tatsächlich legte Scharf großen Wert drauf, sie nicht als Trend zu beschreiben. Sie sind gut versteckt zwischen den Analysen der Bank zu steigenden Kreditkartenausfällen und Verlusten bei erstklassigen Hypotheken. Und natürlich gehört JP Morgan - mit geringeren toxischen Vermögenswerten und einer höheren um immaterielle Vermögenswerte reduzierten Stammkapitalbasis als viele andere Institute - zu den wenigen Banken, die es sich leisten können, der Verzweiflung und Düsternis ein wenig Optimismus beizumischen.

Aber die Spitzenmanager haben Recht, wenn sie mit diesen Zahlen vorsichtig umgehen. So lange die Immobilienpreise weiter fallen - egal, um wie viel -, ist es schwer, sich über verminderte Verluste zu freuen, die sich ganz schnell auch wieder ausdehnen können.

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