Nach Milliardenabschreibungen
Alcatel-Lucent: Fröhliches Schnippeln

Nach nur vier Monaten im Amt schreibt der Chef von Alcatel-Lucent, Ben Verwaayen, den Wert des Telekomausrüsters um 3,9 Mrd. Euro ab - ein weiteres Eingeständnis, dass die Fusion aus dem Jahr 2006 ein Desaster war. Aber da die Gruppe jetzt endlich eine positive Cash Flow-Entwicklung vorweist, begrüßen die Investoren den neuen vorsichtigen Kurs von Alcatel.

Bis vor kurzem erschallte der Schlachtruf "Messer raus" bei Alcatel-Lucent immer dann, wenn die zerstörerische Fehde im Management wieder losbrach. Dann kam der neue Chief Executive Ben Verwayyen und er setzt nun die Schneideinstrumente nach vier Monaten im Amt für konstruktivere Zwecke ein. Der Telekomausrüster nimmt Abschreibungen über 3,9 Mrd. Euro vor - ein Eingeständnis, welchen Schaden die Fusion aus dem Jahr 2006 hervorgebracht hat, die ein Unternehmen mit veraltenden Technologien und einer heillos zerstrittenen Chefetage geschaffen hatte. Und jetzt hat Alcatel gute Gründe, vorsichtig optimistisch zu sein.

Die enorme Abschreibung war nicht die einzige Überraschung bei den Ergebnissen im vierten Quartals der Firma. Die Investoren bejubelten die Verbesserung der Cash Flows von Alcatel. Der Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit stieg auf 658 Mill. Euro gegenüber 238 Mill. Euro im vorhergehenden Quartal des Geschäftsjahrs - so hoch war die Kennzahl noch in keinem Quartal seit der Gründung der Gruppe. Trotz eines gestiegenen Umstrukturierungsaufwands schaffte es auch der freie Cash Flow von Alcatel nach neun Monaten der Verluste endlich zurück in die Gewinnzone.

Die vorsichtige Kehrtwende bei Alcatel eröffnet Verwaayen eine recht gute Chance, sein strategisches Hauptziel für die Gruppe anzupeilen, nämlich 2009 die Gewinnschwelle zu erreichen. Auch seine pessimistische Grundeinstellung könnte sich als hilfreich erweisen. Alle führenden Branchenvertreter prognostizieren jetzt, dass der globale Telekomausrüstungsmarkt 2009 schrumpfen wird. Aber während die Konkurrenten Ercisson und Nokia Siemens Networks von einem Einbruch des Marktes um nicht mehr als fünf Prozent in diesem Jahr ausgehen, veranschlagt Alcatel konservativ einen Rückgang um acht bis zwölf Prozent. Fallen die Einbußen geringer aus, dann wird sich das Gewinnziel Verwaayens wohl leichter erreichen lassen.

Verwaayen hat sich zudem darum bemüht, die Bedenken um die Liquiditätslage bei dem Unternehmen zu beschwichtigen. Alcatel muss sich mit Schuldtiteln über rund 800 Mill. Euro, die 2009 fällig werden, und weiteren 540 Mill. Euro mit Fälligkeit 2010 auseinandersetzen. Das sollte kein Problem sein, wenn der jüngst vereinbarte Verkauf des 21prozentigen Anteils von Alcatel an Thales für 1,6 Mrd. Euro über die Bühne geht. Alcatel verfügt zudem über eine zugesagte Kreditfazilität über 1,4 Mrd. Euro. Investoren wollen in einem Abschwung vor allem zwei Dinge sehen: Cash und Vorsicht. Zumindest vorerst liefert Verwaayen beides. Alcatel mag noch ein beträchtliches Stück davon entfernt sein, in guter Verfassung zu sein, aber es ist sehr erfrischend, dass das Unternehmen zumindest dieses Mal nicht enttäuscht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%