Nach Quartalszahlen
Morgan Stanley zwischen den Stühlen

Lässt man alle Einmalposten außer Acht, sind die Ergebnisse des Wall-Street-Unternehmens tatsächlich akzeptabel. Aber die Vermögensverwaltung hat noch immer Probleme und die Konkurrenz verdient im Rentenhandel weitaus mehr. Auf Morgan Stanley lastet der Druck, es besser zu machen.
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Es sieht vielleicht so aus, als ob Morgan Stanley die einzige Investmentbank sei, die im vergangene Quartal keine Gewinne machte. Lässt man allerdings alle einmaligen Sonderfaktoren außen vor, dann wird aus dem Verlust von 159 Millionen US-Dollar ein akzeptables Ergebnis im Kerngeschäft.

Das bedeutet, einige Posten wieder der Habenseite hinzuzurechnen. Zunächst einmal musste Morgan Stanley ein Minus von 2,3 Milliarden US-Dollar einstecken, nur weil sich der Spread auf die eigenen Schuldtitel wieder verringerte - das ist das Resultat einer 2007 eingeführten Bilanzierungsregel, nach der Unternehmen Gewinne ausweisen müssen, wenn ihre Verbindlichkeiten an Wert verlieren und umgekehrt Verluste, wenn ihr Wert wieder zunimmt.

Ebenfalls auf die Habenseite gehören die 850 Millionen Dollar, die die Bank zahlte, um wieder aus dem Notprogamm der US-Regierung entlassen zu werden. Hinzu kommen, wenn man großzügig rechnet, die Kosten die durch den Tausch von Vorzugsaktien im Besitz von Mitsubishi Financial in Stammaktien entstanden sind, die Smith-Barney-Fusionskosten und einmalige Bewertungskosten, die der Einlagensicherungsfonds in Rechnung stellte.

Alles in allem lassen sich daraus Einnahmen in Höhe von 8,9 Milliarden Dollar errechnen, die einen Vorsteuergewinn von 2,9 Milliarden Dollar ergeben. Unterstellt man weiter, dass die Steuerlast in diesem Quartal weiterhin bei heftigen 54 Prozent gelegen hätte, dann bleibt ein Gewinn von 1,33 Milliarden Dollar. Auf Jahresbasis entspricht das einer Eigenkapitalrendite von rund 9 Prozent. Das klingt schon weitaus besser als die mageren 0,3 Prozent im ersten Quartal. Aber auch das korrigierte Ergebnis liegt noch unter dem Durchschnitt der Konkurrenz.

Ein großer Teil der Probleme liegt im Handel mit Festverzinslichen. Einnahmen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar - nach Rückrechnung der Aufwendungen für die eigenen Verbindlichkeiten - klingen zwar zugegebenermaßen nicht schlecht für ein Unternehmen, das sich nicht mehr im Eigenhandel engagiert. Aber Citi und JPMorgan legen doppelt so hohe Ergebnisse vor und Goldman Sachs und Bank of America sogar noch mehr. Damit verglichen wirkt Morgan Stanley eher blass - Insider sprechen davon, dass das Unternehmen gleich zweimal Prügel bezogen hat, im Währungs- und im Zinsgeschäft. Und Morgan Stanleys Vermögensverwaltungsarm verliert weiter Geld, vor allem mit seinen Hauptinvestitionen.

Damit sitzt das Unternehmen zwischen zwei Stühlen: die Handelsergebnisse leiden, weil Morgan Stanley vor der Übernahme höherer Risiken zurückschreckt und das Investmentgeschäft leidet darunter, dass die Bank in der Vergangenheit zu hohe Risiken eingegangen ist.

Die guten Nachrichten: Hat sich Morgan Stanley erst wieder erholt, wird das Joint Venture mit Smith Barney im Brokergeschäft für bessere Ergebnisse sorgen und die Renditen beflügeln. Aber solange noch nicht eindeutig klar ist, wie es um Morgan Stanleys Risikotoleranz bestellt ist, solange werden die Aktionäre sich vorsichtig zurückhalten.

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