Nach Rekordübernahme
Für die Eisenbahn bricht Buffett mit Gewohnheiten

Für Burlington Northern bezahlt er den vollen Preis, emittiert wertvolle Berkshire Hathaway-Aktien und splittet jede der neuen „Baby“ B-Aktien in 50 Teile. Damit sinkt der Preis pro Anteil von 3 000 plus US-Dollar auf ein zweistellige Niveau, wie es für „normale“ Aktien eher üblich ist. Was wird als Nächstes kommen? – eine Dividendenausschüttung?
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Vielleicht lernt Hans doch, was Hänschen nicht lernen wollte. Der 79-jährige Warren Buffett weicht für den Kauf der US-Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe von alten Gewohnheiten ab. Der berühmte Value-Investor zahlt den vollen Preis, emittiert wertvolle Berkshire Hathaway-Aktien und splittet jede der neuen „Baby“ B-Aktien in 50 Teile. Was wird als Nächstes kommen – eine Dividendenausschüttung?

Das ist unwahrscheinlich. Solange Buffett und sein Anlagepartner Charlie Munger Anlagemöglichkeiten finden, die sie für ertragbringend halten, wie BNSF, solange wollen sie keine Dividenden zahlen. Ist das eines Tages nicht mehr der Fall, dann entschließen sie sich vielleicht dazu, Barmittel an die Aktionäre auszuschütten. Was sie jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht tun werden, ist eine regelmäßige, schmale Dividende zu zahlen.

Aber die anderen Lockerungen, die seine Grundsätze jetzt erfahren, verdienen Beachtung. Buffett war nie abgeneigt, einen angemessenen Preis für ein gutes Geschäft zu bezahlen und der BNSF-Deal entspricht seiner Philosophie in mehrfacher Hinsicht – einschließlich seiner Größenordnung. Aber 26 Milliarden US-Dollar plus 31 Prozent Prämie auf den Marktpreis sind schon eine bemerkenswerte Wette.

Mit dem Geschäft ist auch verbunden, junge Berkshire-Aktien an den Markt zu bringen – etwas das Buffett sonst gar nicht liebt, zumindest nicht, solange er nicht mindestens einen Gegenwert in gleicher Höhe erhält. Der BNSF-Kauf dürfte sich auf die Gewinne neutral bis leicht positiv auswirken, verwässert aber den Buchwert. Das Volumen der Akquisition scheint den Investor aus Nebraska dazu zu zwingen seine eigenen Prinzipien zu dehnen. Vermutlich geht er auch davon aus, dass Berkshire-Aktien zumindest angemessen, wenn nicht sogar überbewertet sind.

Hinzu kommt, dass der Weise aus Omaha bisher grundsätzlich der Versuchung widerstand, seine Aktien zu splitten. So kommt es, dass die A-Aktien von Berkshire gegenwärtig zu Kursen von rund 100.000 US-Dollar pro Stück gehandelt werden. B-Aktien, die 1996 geschaffen wurden, repräsentieren jeweils ein 30stel des wirtschaftlichen Anspruchs einer A-Aktie und ein 200stel ihrer Stimmrechte. Schon 1996 wurden diese „Baby“-Aktien zu über 1.000 US-Dollar pro Stück gehandelt, zuletzt standen sie bei über 3.000 US-Dollar. Der bevorstehende Split wird dazu führen, dass Berkshire-Aktien zukünftig für unter 100 US-Dollar zu haben sein werden. Die nächste Aktionärsversammlung am 1. Mai des kommenden Jahres könnte also noch überlaufener sein, als es sonst schon der Fall war.

Natürlich wird sich auch BNSF an ein Leben als Berkshire-Tochter anpassen müssen. Eine Lektion hat man im Unternehmen schon gelernt. Obwohl Berkshire schon vor Bekanntgabe des Deals mehr als 20 Prozent der BNSF-Aktien besaß, unterlief dem Unternehmen am Dienstag bei der Präsentation des Investitionsvorhabens ein peinlicher, aber zugegebenermaßen auch andernorts durchaus üblicher Fehler: Bei der schriftlichen Ankündigung unterschlug man das zweite „t“ des Namens Buffett. Glücklicherweise ist dieser Fehler inzwischen behoben.

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