Nahrungsmittelindustrie
Cadbury im Visier von Kraft

Der US-Nahrungsmittelhersteller Kraft hat im dritten Quartal die Gewinnerwartungen übertroffen, jedoch die Umsatzvorhersage für das gesamte Geschäftsjahr zurückgenommen. Damit wird die schneller wachsende britische Süßwarengruppe Cadbury als Übernahmekandidatin sogar noch attraktiver.
  • 0

Der Nahrungsmittelproduzent unter der Leitung von Irene Rosenfeld bestätigte sein anhaltendes Interesse an Cadbury, betonte dabei aber, er würde eine disziplinierte Herangehensweise beibehalten. Kraft werde auch weiterhin halten, was das Unternehmen versprochen habe - mit oder ohne die Briten. Doch den Süßwarenspezialisten für sich zu gewinnen, wäre bezüglich der Wachstumschancen sicher hilfreich für Kraft. Ende Oktober hatte Cadbury seine Einschätzung für den Umsatz und die Betriebsgewinnspannen erhöht und geht jetzt von einer Umsatzsteigerung um rund fünf Prozent aus.

Damit hebt sich Cadbury von den Amerikanern ab, die ihre Prognose für das organische Umsatzwachstum jetzt auf zwei nach zuvor drei Prozent senkten. Kraft geht zwar immer noch von höheren Gewinnen aus, macht dafür aber zum Teil einen niedriger als erwartet ausgefallenen Steuersatz verantwortlich. Die Quartalsergebnisse scheinen nicht aus dem Rahmen zu fallen: Seitdem die Gruppe Mitte 2001 an die Börse gegangen ist, lag das organische Wachstum von Kraft bei durchschnittlich 2,5 Prozent, während der Süßwarenbereich von Cadbury auf 5,2 Prozent kam, berichtete die Credit Suisse.

Ein Kauf von Cadbury mag heute vielleicht leichter erscheinen, als dies am Labor Day der Fall war, als Kraft seinen Annäherungsversuch publik machte. Denn offenbar mangelt es einfach am Wettbewerb. Offerten von Nestle, Hershey oder PepsiCo, von denen gerüchteweise die Rede war, haben sich nie eingestellt. Aber Kraft läuft die Zeit davon - gemäß den britischen Übernahmerichtlinien hat das Unternehmen bis zum 9. November Zeit, ein offizielles Gebot vorzulegen oder sich zurückzuziehen.

Mit 777 Pence notieren die Cadbury-Aktien nach wie vor über dem von Kraft gebotenen Preis von 745 Pence - worin sich die Hoffnung widerspiegelt, Kraft werde den Deal nachbessern. Wenn Rosenfeld und ihr Team das Messer wetzen, um Kosten zu kürzen, werden sie vielleicht in der Lage sein, mehr als die bereits in Aussicht gestellten Synergien über 625 Mill. Dollar ausfindig zu machen. Doch selbst wenn sie auf Kostenreduzierungen abzielen, die neun Prozent des Umsatzes von Cadbury gleichkommen, würde dies nur eine leichte Anhebung rechtfertigen.

Mit seinen glänzenden Verpackungen, der höheren Wachstumsrate und seiner etablierten Präsenz auf den sich schnell bewegenden aufstrebenden Märkten wäre Cadbury ein appetitanregender Leckerbissen für die fade Kraft. Doch zu viel zu zahlen, kann auch zu Verdauungsschwierigkeiten führen - und verärgerte Aktionäre auf den Plan rufen.

Kommentare zu " Nahrungsmittelindustrie: Cadbury im Visier von Kraft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%