Nahrungsmittelpreise
Teureres Brot

Der deutliche Anstieg bei den Nahrungsmittelpreisen lässt die Alarmglocken schrillen. Die hohen Preise verursachen politische Unruhen und beschleunigen die Inflation. Kurzfristig ist der Schock groß, aber langfristig braucht die Welt teurere Lebensmittel, damit Einkommen, Output und Produktivität in der Landwirtschaft steigen.

Der universelle Unmut über die höheren Nahrungsmittelpreise ist verständlich aber fehl am Platz. Eine Welt, die von billigen Lebensmitteln abhängt, leidet an Rückzugssymptomen. Vor allem für arme, importabhängige Länder bedeuten die höheren Preise Zahlungsbilanzprobleme, Mangel und sogar Aufstände. Weltweit führen sie zu einem unerwünschten Inflationsschub. Aber eine wachsende Bevölkerung braucht höhere Nahrungsmittelpreise, um sich auch in Zukunft ernähren zu können.

Die Lebensmittelpreise sind tatsächlich kometenhaft angestiegen. Der Preisindex für Nahrungsmittel, der von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berechnet wird, schoss zwischen Dezember 2006 und Dezember 2007 um 37 Prozent in die Höhe. Die Weltbank schätzt, dass sich Nahrungsmittel in den vergangenen drei Jahren um 83 Prozent verteuert haben.

Einige Märkte, vor allem der Reismarkt, sind besonders schwer betroffen. Der Anstieg ist so gravierend, weil die realen Lebensmittelpreise im Verlauf der letzten 30 Jahre gefallen sind. Die höheren Preise sind auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Die gestiegenen Energiekosten haben zu höheren Kosten für landwirtschaftliche Inputfaktoren wie Treibstoff und Düngemittel sowie indirekt auch für Ausrüstungsgüter geführt. Naturkatastrophen wie die Dürre in Australien haben für zusätzlichen Druck auf den Märkten gesorgt. Auch der wachsende Ernteanteil, der in die Produktion von Biotreibstoffen wandert, könnte die Preise weiter angetrieben haben.

Aber diese Verwerfungen verschleiern nur grundlegendere Entwicklungen. Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr das Volkseinkommen. Menschen, denen es wirtschaftlich besser geht, wie zum Beispiel in China, essen mehr Fleisch – ein ineffizienter Weg, Getreide in Proteine zu verwandeln. Die Mehrzahl der Menschen lebt in Städten. Aber das Produktivitätswachstum in der Landwirtschaft ist zu Beginn dieses Jahrtausends in Asien auf ein Prozent zurückgefallen, das entspricht weniger als der Hälfte des Wachstums in den davorliegenden beiden Dekaden.

Eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität und des landwirtschaftlichen Outputs erfordert eine Reihe von Maßnahmen, wie zum Beispiel effiziente Bewässerungsmethoden, verbesserten Zugang zu Krediten und Rechten an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, neue Getreidesorten (darunter auch genveränderte Sorten) und eine bessere ländliche Infrastruktur. Auch die Palette der Vorschriften zur Marktregulierung, die Regierungen überall auf der Welt so lieben, muss abgeschafft werden.

Der entscheidende Faktor aber sind die Preise. Kurzfristig hat die Weltbank mit ihren Kampagnen Recht, die die Auswirkungen der hohen Preise auf die armen Bevölkerungsschichten lindern sollen. Aber langfristig führt der beste Weg zur Armutsreduzierung – vor allem in der armen ländlichen Bevölkerung – und zur Sicherstellung der Welternährung nur darüber, sicherzustellen, dass landwirtschaftliche Produktion sich lohnt.

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