Neu-Emissionen
Finanzinvestoren schaffen Werte

Entgegen der gängigen Meinung haben sich europäische Börsengänge von Unternehmen, die im Besitz von Beteiligungsgesellschaften sind, besser entwickelt als andere Emissionen. Dies ist das Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Studie der London Business School.

Erstemissionen von Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren haben Auftrieb erhalten – genau zur richtigen Zeit. Eine neue Studie der London Business School zeigt, dass europäische Börsengänge von Unternehmen, die durch Leveraged Buyouts (LBOs) von Beteiligungsgesellschaften übernommen worden waren, sich besser entwickelt haben als andere Emissionen. Das widerspricht der gängigen Meinung, dass solche Zeichnungsangebote in der Regel ein Reinfall sind.

Über die Ergebnisse lässt sich streiten. Aber da die Kreditkrise die Beteiligungsgesellschaften dazu zwingt, die öffentlichen Kapitalmärkte anzuzapfen, um den Ausstieg aus einem Unternehmen zu schaffen, könnte diese Aufbauspritze gar nicht gelegener kommen. Blackstone will im März den Reisedienstleister Travelport an die Londoner Börse bringen. Das könnte eines der ersten Unternehmen in einer langen Reihe sein.

Die Daten der Studie zeigen, dass Erstemissionen, die Private-Equity-Firmen an die britischen und deutschen Märkte gebracht haben, andere Emissionen und die breiteren Indizes übertreffen. Natürlich gibt es auch die weithin bekannten Verlierer wie Debenhams. Der britische Einzelhändler steht ganz oben auf der Liste, mit der die Kritiker immer herum wedeln, wenn sie behaupten, die Beteiligungsgesellschaften hätten es nur darauf abgesehen, für sich selbst kurzfristige Erträge zu erzielen anstatt langfristig Werte zu schaffen. In weniger als drei Jahren, nachdem die Einzelhandelskette von der Börse genommen worden war, haben TPG, CVC und Merrill Lynch ihre Investitionen verdreifacht. Als sie Debenhams wieder auf den Markt zurück brachten, fielen die Aktien um mehr als 50 Prozent. Die Studie legt nahe, dass Fälle wie Debenhams die Ausnahme sind.

Natürlich führen die Ergebnisse der Vergangenheit nicht notwendigerweise zu künftigen Erträgen. Die Private-Equity-Häuser haben wohl ihre schlimmsten Abschlüsse geheim halten können, indem die Finanzinvestoren sich die Unternehmen untereinander verkauft haben. So haben sie die Ergebnisse der Studie zu den Erstemissionen gestützt. Wenn die Private-Equity-Branche allerdings jetzt auf der verzweifelten Suche nach einem Ausstieg Unternehmen von geringerer Qualität auf die öffentlichen Märkte schaufelt, könnte eine Wiederholung der Studie in ein paar Jahren vielleicht zu ganz anderen Ergebnissen kommen.

Doch davon abgesehen könnte der Zeitpunkt für ein solches Marketing-Werkzeug nicht besser gewählt worden sein. Die Kreditkrise behindert die bevorzugte Verkaufsstrategie der Branche: Secondaries, bei denen sich die Beteiligungsgesellschaften die Unternehmen gegenseitig zu schustern. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Secondaries weltweit verdreifacht. In Europa haben sie in jüngster Zeit fast die Hälfte aller LBO-Exits ausgemacht. Die Erstemission könnte sich zur Ausstiegsstrategie der Wahl mausern – vorausgesetzt natürlich, dass die Kapitalmärkte stabil bleiben.

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