Neue EU-Vorschriften
Eine gesunde Dosis Wettbewerb

Der Name, mit dem die EU neue Vorschriften für die europäische Finanzbranche bedenkt, scheint zunächst Unheil zu verkünden. „Markets in Financial Instruments Directive“, kurz Mifid, hört sich nach Mehrkosten und Bürokratie an. Das Gute daran: Ausleihungen und der Aktienhandel werden billiger. Unter den größten Nutznießern könnte die Londoner City sein.

Mifid klingt irgendwie Unheil verkündend und vage unangenehm – wie ein Pilz vielleicht, der die Rapsernte bedroht. Die Entdeckung, dass es sich dabei eigentlich um die „Markets in Financial Instruments Directive“ – eine bürokratieintensive Richtlinie der EU für die Finanzbranche – handelt, ist nicht wirklich eine Beruhigung. Aber die neuen Vorschriften, die am Donnerstag in Kraft treten, stellen tatsächlich die größte Umwälzung in der europäischen Finanzindustrie seit dem Londoner Big Bang von 1986 dar. Sie werden in den meisten Fällen eine Wende zum Besseren bringen.

Das Ziel ist es, die nationalen Märkte für Wertpapiere zu öffnen. Die Direktive steht im Einklang mit der Verpflichtung der EU, einen gemeinsamen Markt für alle Waren und Dienstleistungen zu schaffen. Das ist gut für die Kunden. Ein augenfälliges Beispiel: Die nationalen Börsen haben kaum einen Anreiz, die Kosten niedrig zu halten, solange sie die Liquidität unter Verschluss haben – die Händler können nirgendwo sonst hingehen.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass der Druck, der durch Mifid entsteht, die Kosten für den Aktienhandel im kommenden Jahr um bis zu 25 Prozent sinken lassen wird.

Die neuen Regeln erlauben es zudem, dass Finanzunternehmen, die in einem EU-Mitgliedsland zugelassen sind, auch in allen anderen EU-Staaten ihren Geschäften nachgehen können – selbst wenn sie dort keine Niederlassung oder Repräsentanz haben. So werden zum Beispiel britische Firmen keine Töchter mehr vor Ort unterhalten müssen, um ihre Dienstleistungen in Deutschland oder auf Malta zu verkaufen. Wenn die Finanzdienstleistungsunternehmen dem Muster der meisten Industriesektoren folgen, dann wird Mifid zu einer Konsolidierung und dem Herausbilden regionaler Machtzentren führen.

Ein offener Markt ist jedoch nicht notwendigerweise unreguliert. Mifid bringt einen enormen Papierkrieg mit sich. Einige der Vorschriften sind besonders für britische Akteure frustrierend, die daran gewöhnt sind, einfach die potentiellen Risiken und Konflikte für die Investoren offen zu legen. Mifid führt einen eher kontinental-europäischen Standard des aktiven Konfliktmanagements ein. Und die Direktive beinhaltet auch beschwerliche Transparenzregeln, die die Veröffentlichung ganzer Bände von Informationen über Handelsabschlüsse erfordern.

Aber die neue Vorschriftenlast sollte tatsächlich zu einer Kostensenkung führen – selbst in Großbritannien. Aber für britische Firmen, die über frühere Entwürfe der Mifid geschimpft hatten, dürfte der größte Nutzen sowieso nicht in der Abwicklung und Verwaltung liegen. Die effiziente Finanzindustrie Großbritanniens sollte bei der bevorstehenden regionalen Konkurrenz gut abschneiden. Die Firmen können auf den wichtigsten Märkten gleich loslegen. Während fünf EU-Mitglieder die Direktive erst noch in Landesrecht umsetzen müssen, sind Deutschland, Frankreich und Italien bereits mit im Boot.

Wer verliert, wenn die Kosten von Finanztransaktionen durch größere Konkurrenz sinken? Die offensichtlichsten Kandidaten sind die amtierenden Wertpapierbörsen. Die großen Banken sind schon dabei, rivalisierende Handelsplattformen einzurichten – und Mifid sollte ihnen dabei helfen. Das ist genug, um Zweifel über die extravaganten Bewertungen, die diese altmodischen Institutionen an den Tag legen, aufkommen zu lassen.

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