Neuemissionen
Dole-Börsengang wird zur IPO-Messlatte

Das US-Nahrungsmittelunternehmen beschafft per Börsengang neues Kapital, um Schulden abzulösen, die noch aus dem Management Buyout des Jahres 2003 stammen. Viele hoch verschuldete Unternehmen könnten sich dadurch gezwungen sehen, im Kielwasser Doles ebenfalls an die Börse zu gehen. Der Frucht- und Gemüselieferant wird zum wichtigen Testfall.
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Doles Rückkehr an die Börse ist ein guter Test für weitere Neuemissionen. Das US-Nahrungsmittelunternehmen beantragte den Börsengang im Volumen von 500 Millionen US-Dollar, um Schulden abzulösen, die noch aus dem Management Buyout des Jahres 2003 stammen. Viele hochverschuldete Unternehmen könnten sich dadurch gezwungen sehen, im Kielwasser Doles ebenfalls an die Börse zu gehen. Aber Dole macht den ersten Schritt und kann mit guten Unternehmensergebnissen auftrumpfen - beides deutliche Pluspunkte.

Der Lieferant von Bananen, Ananas und anderen Frucht- und Gemüsesorten wurde vor sechs Jahren im Rahmen eines Management Buyouts von seinem Chef David Murdock übernommen. Finanziert wurde der 2,5-Milliarden-Dollar-Deal über hohe Kreditaufnahmen, von denen heute noch 1,9 Milliarden Dollar zu Buche stehen. Murdock will nun einen Teil seiner Aktien an den Markt bringen und zusätzlich junge Aktien emittieren, über die ein Teil der Schulden getilgt werden soll.

Doles Börsengang dürfte zur Messlatte für andere Unternehmen werden, die nach einer kreditfinanzierten Unternehmensübernahme nun wieder den Gang zurück an die Börse suchen. Anleger, die zwischen 2005 und 2007 ihr Kapital in Beteiligungsfinanzierungen gesteckt haben, wollen nach dem typischen siebenjährige Investitionszyklus zwischen 2012 und 2014 ausgezahlt werden. Die Kreditmärkte werden kaum in der Lage sein, den daraus resultierenden Refinanzierungsbedarf zu decken, also werden die betroffenen Unternehmen zunehmend darüber nachdenken, sich das notwendige Kapital über den Aktienmarkt zu beschaffen.

Aktionäre sehen es allerdings nicht so gerne, wenn ihr Kapital dazu verwendet wird, Schulden abzulösen. Aber unter den Neuemission mit Buyout-Vergangenheit verfügt Dole über ein paar Vorteile. Erstens entwickelt sich das Unternehmen gut. Die Umsätze fielen zwar im ersten halben Jahr verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum, nachdem vor allem die Umsätze mit frischem Obst und Gemüse sanken. Aber gleichzeitig stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 13 Prozent. Auch wenn Investoren glauben, dass der Kostensenkungserfolg sich langfristig nicht wird fortsetzen lassen, so werden sie dennoch profitieren, wenn die Fruchtumsätze wieder anziehen.

Und Dole wurde privatisiert, bevor der Markt zu seinen größten Kapriolen ansetzte. 2003 wurden Buyouts im Durchschnitt mit Krediten in Höhe des 4,2-fachen Ebitda-Ergebnisses finanziert. 2007 lag das Verhältnis nach S&P-Schuldenstatistiken und-Schuldenkommentaren bereits bei 6,1. Hinzu kommt, dass Doles Schulden gläubigerfreundlicher sind. Das Unternehmen hat sich vertraglich verpflichtet, seine Verschuldung in vorrangigen Schuldtiteln auf die 3,25-fache Ebitda-Höhe zu begrenzen, eine Grenze die bei späteren Buyouts leicht das Doppelte oder mehr erreichte.

Aber trotz seiner Erfolge musste Dole zu Jahresbeginn bei der Refinanzierung eines Schuldenteils teures Lehrgeld zahlen. Das Unternehmen legte Anleihen mit einem Kupon von 13,875 Pozent Zinsen auf, um Papiere mit einer Verzinsung von 8,625 Prozent Zinsen abzulösen. Heute liegt die Schulden-zu-Ebitda-Quote bei lediglich 4,3, was dazu beitragen sollte, die Bedenken der Anleger zu zerstreuen. Sollte Dole jedoch in Schwierigkeiten geraten, so dürfte das für andere Buyouts nichts Gutes ahnen lassen.

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