Neuer Citigroup-Chef
Nicht perfekt

Es ist gut, dass Citigroup das Amt des CEO von dem des Chairman trennt. Win Bischoff ist beileibe kein Leichtgewicht. Aber seine Erfahrung ergänzt sich nicht mit der des neuen CEO Vikram Pandit, er sitzt in zu vielen Boards und, auch wenn er kein Gefolgsmann von Weill ist, so ist er doch mit Sicherheit ein Insider.

Der Board von Citigroup hat sich ein Lob dafür verdient, dass er die Ämter des Chairman und des Chief Executive zwischen Win Bischoff und Vikram Pandit aufgeteilt hat. Den Finanzgiganten aus den derzeitigen Turbulenzen herauszufliegen, wäre von einem einzelnen Piloten wohl doch zu viel verlangt. Und da die Erfahrung von Pandit außerhalb des Investment Banking begrenzt ist, wäre es zu riskant gewesen, ihm beide Rollen zu übertragen.

Trotzdem lässt die Wahl des Chairman, die Citigroup getroffen hat, etwas zu wünschen übrig. Bischoff ist sicher kein Leichtgewicht. Der in Deutschland geborene und in Südafrika aufgewachsene Brite leitete die ehrwürdige Geschäftsbank Schroders und strahlt die Art von globaler Ernsthaftigkeit und Würde aus, die den hohen Zielen von Citigroup entspricht. Darum hat ihn die Queen vor sieben Jahren zum Ritter geschlagen.

Aber seine Erfahrung und die von Pandit als Leiter der Abteilung für das institutionelle Wertpapiergeschäft bei Morgan Stanley ergänzen sich offenkundig nicht. Sicher, der Großteil der Probleme von Citigroup liegt derzeit bei ihrer Investmentbank. Aber es wäre ideal gewesen, einen Chairman mit Erfahrung im Retail-Geschäft zu haben, wo es wahrscheinlich zu Schwierigkeiten kommen wird, wenn sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt.

Und auch wenn niemand Bischoff als einen Gefolgsmann von Sandy Weill bezeichnen würde, der Citigroup in Jahrzehnten der Zukäufe aufgebaut hatte, so ist er doch kaum ein Außenstehender. Er hat Schroders an Weill verkauft und ist geblieben. Damit ist er fast genau so offensichtlich aus demselben Weillschen Holz geschnitzt wie andere Bewerber für den Posten, etwa der ehemalige Verbraucherbank-Chef Robert Willumstad.

Und schließlich ist es schwer vorstellbar, dass Bischoff der Aufgabe genügend Zeit widmen kann. Zum einen lebt er in London. Die City mag New York als Bankenzentrum ebenbürtig sein, aber sie ist immer noch 3458 Meilen von der Park Avenue entfernt. Bischoff sitzt auch noch in fünf weiteren Boards, von der türkischen Akbank über die britische Prudential plc bis zu The McGraw-Hill Cos. Auch wenn er als arbeitssüchtig bekannt ist, wird er diese Verpflichtungen offensichtlich zurückschrauben müssen, um sich ganz den beträchtlichen Anforderungen der Citigroup widmen zu können.

Man hätte denken können, einige der amtierenden oder ehemaligen Chefs großer Retail-Banken wäre im Rennen gewesen. Vielleicht haben sie den Job nicht übernehmen wollen. Auf jeden Fall ist die Ernennung von Bischoff nicht das schlechteste Ergebnis für Citigroup. Aber sie ist auf keinen Fall die perfekte Lösung.

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