Neuf-Vivendi
Vivendi macht ernst mit Breitband

Das französische Telekom- und Medienkonglomerat will für 2,5 Milliarden Euro von der Groupe Louis Dreyfus einen 30-prozentigen Anteil am Telekombetreiber Neuf Cegetel erwerben, an dem Vivendi bereits 40 Prozent besitzt. Weil Mehrfach-Breitbandanwendungen inzwischen allgegenwärtig sind, könnte der Schritt eine Konsolidierung in der Branche auslösen.

Was für einen Unterschied drei Jahre ausmachen können. 2004 trennte sich Vivendi, die Muttergesellschaft des Mobilfunkbetreibers SFR, von ihrem Festnetzgeschäft, indem sie es mit dem Marktneuling Neuf Telecom zusammenlegte. Das Neuf Cegetel genannte fusionierte Unternehmen ging im Oktober 2006 an die Börse, seitdem stieg die Aktie um 67 Prozent. Vivendi, das derzeit 40 Prozent der Anteile besitzt, will Neuf Telecom nun vollständig übernehmen. Darüber spricht man mit der anderen Muttergesellschaft Groupe Louis Dreyfus, die noch 30 Prozent besitzt.

Die Kehrtwendung hat ihren Grund eher in dem sich ständig wandelnden Geschäftsmodell der Branche als in Vivendis Gespür für den richtigen Zeitpunkt. In den letzten drei Jahren ließ die lang erwartete Konvergenz zwischen Festnetz-, Mobilfunk- und Breitbandgeschäft Unternehmen wie Neuf erblühen und Marktanteile von etablierten Anbietern wie SFR gewinnen.

Das Halten eines 40-prozentigen Anteils an einem SFR-Wettbewerber wäre für Vivendi weder Fisch noch Fleisch. Zwar hat Neuf ein diversifiziertes Geschäftsmodell, mehr als 25 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Verkauf von Breitbandkapazitäten an andere Betreiber einschließlich SFR. Die Privat- und Firmenkundensparten des Unternehmens wachsen allerdings schnell, dem Wachstum der Anteilseigner dicht auf den Fersen. Etwas Rationalisierung war überfällig. Die für Hochgeschwindigkeits-Glasfaserbreitband benötigten massiven Investitionen erzeugen Konsolidierungsdruck in der Branche.

Vivendi hätte den Neuf-Anteil von Groupe Louis Dreyfus (GLD) vielleicht schon zur Zeit des Börsenganges gerne übernommen, doch damals verkaufte GLD nicht. Dies erwies sich als klug, denn nun kann GLD für ein Jahr Warten einen Gewinn von 900 Millionen Euro einstecken.

Der umstrittene Kaufpreis von 40 Euro je Aktie – ein Aufschlag von weniger als 15 Prozent auf den Durchschnittskurs des letzten Monats – würde Neuf mit dem 10,4-fachen des in 2008 erwarteten Betriebsgewinns bewerten. Das ist doppelt so viel wie bei France Telecom und entspricht einem Aufschlag von 45 Prozent gegenüber dem schärfsten Wettbewerber Iliad. Allerdings können Synergien entstehen, und SFR wird Zugang zu dem Finanzmitteln von Neuf erhalten. Vivendi glaubt wohl, dass es diesen Preis zahlen muss, um an die besten Kompetenzen eines wichtigen Wettbewerbers zu kommen.

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