Nigeria
Schluss mit den krummen Geschäften?

Die Zentralbank von Nigeria will jetzt Übernahmen heimischer Banken durch internationale Institute gestatten. Auch wenn das Land wirtschaftlich zuletzt eher aufgrund breit angelegter Email-Betrügereien von sich reden gemacht hatte, könnte es sich zu einem Wachstumszentrum der afrikanischen Finanzwelt mausern. Dafür muss allerdings erst die Aufsicht auf Kurs gebracht werden.
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Der neue Chef der nigerianischen Zentralbank will jetzt die Übernahme heimischer Banken durch internationale Institute zulassen. Auch wenn das an Erdöl reiche Land zuletzt eher aufgrund eines breit angelegten Email-Betrugs von sich reden gemacht hatte, verfügt es über wirtschaftliche Schlagkraft und engagierte Geschäftsleute. Nigeria könnte zu einem Wachstumszentrum der afrikanischen Finanzwelt werden. Es wird allerdings zunächst darauf ankommen, die Finanzaufsicht auf Kurs zu bringen.

Nigeria hat sich bisher im Allgemeinen als recht unwirtliches Territorium für das Engagement ausländischer Unternehmen erwiesen. Die Erdölgesellschaften müssen sich beständig mit Konflikten im Niger-Delta auseinander setzen. Die Bevölkerung dort ist zu Recht unzufrieden mit dem mageren Anteil an den Erdöleinnahmen, der in ihre politisch benachteiligte Region fließt. Wenn die Ölpreise steigen, tendiert die Regierung üblicherweise dazu, wie zuletzt 2008, einseitig neue Verträge auszuhandeln, um sich einen größeren Anteil der Einnahmen zu sichern. Die multinationalen Unternehmenspartner der Regierung schrecken deshalb davor zurück, weitere Investitionen vorzunehmen.

Im Bankwesen hatte die Regierung 1976 rund 60 Prozent des blühenden Systems, das sich in ausländischer Hand befand, übernommen. Daraufhin zogen sich die internationalen Eigner zurück. Zwar wurde der Sektor in den vergangenen Jahren liberalisiert und Citigroup und Standard Chartered sind zurückgekehrt, aber der Ruf des Landes hat durch allgegenwärtige Bankbetrügereien per Email dauerhaft Schaden genommen.

Doch es gibt Anlass zur Hoffnung. Nahm Nigeria innerhalb des Korruptionsindex von Transparency International 2005 noch den katastrophalen Platz 152 von 158 ein, verbesserte sich das Land 2008 immerhin und kam auf den weniger unehrbaren Platz 121 unter 180 Ländern. Steigende Ölpreise trugen dazu bei, dass Nigeria von 2006 bis 2008 jeweils ein Wirtschaftswachstum von sechs Prozent aufweisen konnte. Dies entspricht einem ansehnlichen Zuwachs pro Kopf von vier Prozent. Und das Wachstum dürfte auch 2009 und 2010 ausreichen, um ein Abgleiten auf Pro-Kopf-Basis vermeiden zu können. Die enorme Einwohnerzahl von 149 Millionen Menschen und der Ölreichtum des Landes verleihen ihm großes Potenzial - sowohl im Inland als auch als Zentrum für das Bankwesen in Afrika.

Und sogar die betrügerischen Email-Aktionen lassen auf unternehmerische Fähigkeiten schließen, die sich mit Hilfe des Einflusses von außen vielleicht in legale Bahnen lenken lassen. Bankgeschäfte in einem problematischen Umfeld zu betreiben, ist schwierig, kann aber auch sehr rentabel sein, wenn der Markt groß genug ist. Dies wäre in Nigeria auf jeden Fall gegeben.

Es käme darauf an, die Finanzmarktaufsicht einigermaßen vernünftig zu gestalten. In diesem größtenteils armen Land stellt Korruption nach vor ein Problem dar. Und der jüngste Vorstoß der Zentralbank verläuft vielleicht weitgehend im Sand. Es müsste schon ein überaus überzeugter Marktaufseher installiert werden, der im Zusammenspiel mit der tiefer gehenden internationalen Expertise im Bankwesen dazu beitragen könnte, Nigeria bei der Verwirklichung seines Potentials zu unterstützen.

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