Nintendo
Wii ist ausverkauft

Die Spielkonsole Wii von Nintendo ist in den meisten US-Geschäften immer noch ausverkauft – und das dreizehn Monate nach ihrem Debüt. Ob inszeniert oder nicht, sorgt die Verknappung auf jeden Fall dafür, dass die Aufregung um Wii groß und der Preis der Spielkonsole hoch bleibt. Nintendo bezahlt dafür allerdings mit niedrigeren Gewinnspannen.

Millionen von Kindern – und Eltern – werden in diesem Jahr keine Wii unter dem Christbaum finden. Das Seltsame ist, dass es ihnen im vergangenen Jahr schon genau so ergangen war. Die angesagte Spielkonsole von Nintendo ist auch rund 13 Monate nach ihrer Markteinführung in den USA kaum erhältlich. Da haben nicht etwa die Weihnachtswichtel die unzulänglichen Produktionsmethoden der ehemaligen Sowjetunion übernommen. Viel wahrscheinlicher ist, dass der japanische Hersteller hier ein wenig künstlichen Wirbel veranstaltet.

Nintendo streitet ab, dass das knappe Angebot absichtlich herbeigeführt wird. Aber die Herstellung elektronischer Geräte erhöht sich gewöhnlich fast wie von selbst. Das Unternehmen hat die Produktion auf 1,8 Mill. pro Monat gesteigert und damit fast verdoppelt. Weitere Steigerungen zu erreichen, hätte einfach sein müssen, schließlich ist das Gerät nicht sonderlich komplex. Und es ist schwierig, ein Gerät zurückzurufen, dessen Verknappung mehr als ein paar Monate andauert, von mehr als einem Jahr ganz zu schweigen.

Ob mit Absicht oder nicht, oder irgendwo dazwischen – das knappe Angebot hat Vorteile für Nintendo. Es ist schon ziemlich merkwürdig, aber Szenen von Eltern, die für eine Wii auf die Barrikaden gehen, scheint den Wunsch der Kinder nach dieser Spielkonsole zu verstärken und die Eltern dazu zu veranlassen, immer verzweifeltere Schritte zu unternehmen. Kein anderes Geschenk kann sich mit der Wii messen, selbst die teureren Konsolen von Microsoft und Sony nicht.

Und nur wenige Weihnachtsgeschenke, die man „unbedingt haben muss“, erreichen einen solchen Status gleich an zwei Weihnachten hintereinander. Diese Aufregung wird ohne Zweifel auch dann noch anhalten, wenn das Lametta längst schon wieder abgehängt worden ist. Es sagt schon viel aus, dass der Einzelhandelspreis einer Wii hartnäckig hoch bleibt, während die Konkurrenten ihre Preise reduzieren.

Aber das Theater hat auch seinen Preis. Nach Analystenschätzungen verzichtet Nintendo in diesem Weihnachtsgeschäft auf Umsätze über vielleicht eine Mrd. Dollar aus dem Verkauf der Konsolen. Anders als die Rivalen Sony und Microsoft macht Nintendo tatsächlich einen kleinen Gewinn mit dem Verkauf dieser Maschinen.

Die wirklichen Kosten aber entstehen bei den künftigen Gewinnspannen. Nintendo verpasst die Chance, Kunden an ihre Plattform zu binden und könnte erleben, dass sie abtrünnig werden und zu Xbox 360 oder PlayStation 3 überwechseln. Und Spiele sind bei weitem rentabler als Konsolen. Die Gewinnspannen des Unternehmens liegen im Durchschnitt bei etwa zehn Prozent bei der Hardware und rund 70 Prozent bei der Software. Mehr als drei Viertel des Gewinns kommen also von der Software bei einem Spiele-Zyklus von mehreren Jahren. Wenn Kunden abtrünnig werden, wird das Lieferdefizit von Nintendo wie eine gigantische Blamage aussehen.

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