Nobelpreis
Clever, aber suboptimal

Drei Pioniere der „Mechanism Design Theory“ haben die höchste Auszeichnung in ihrem Fachgebiet erhalten. Ihr Beitrag ist Teil der Spieltheorie, die als abstrakte Theorie mit praktischen Anwendungsmöglichkeiten gepriesen wird. Der Nutzwert wird allerdings durch merkwürdige Annahmen über die menschliche Natur eingeschränkt.

Mechanism Design Theory klingt wie der ironische Name einer Rockband aus den 70ern. Tatsächlich aber handelt es sich hier um eine Form der wirtschaftswissenschaftlichen Spieltheorie. Und drei Ökonomen - Leonid Hurwicz, Eric Maskin and Roger Myerson - haben sich mit diesen intellektuellen Spielereien den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2007 verdient.

Seit 1994 hat die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, die den Preis vergibt, die Auszeichnung bereits viermal an Spieltheoretiker verliehen. Die jüngste für die Analyse der Entscheidungsfindung in Institutionen. Die Gewinner haben sich dem Problem genähert, indem sie Regeln für regulierte Industrien aufgestellt und Abstimmungssysteme entworfen haben.

Die Spieltheorie ist reizvoll, weil sie als nützlich gilt, anders als die meisten anderen Disziplinen der Mikroökonomie, die oft in schwer zu interpretierenden Gleichungen stecken bleiben. Die Spieltheorie verspricht Hilfe bei konkreten Problemen, beispielsweise bei Steuersätzen oder der Preisgestaltung. Klingt vielversprechend. Myerson zum Beispiel wird eng verbunden mit der Entdeckung, dass der beste Weg zu einer Preisentscheidung oft in einer Doppelauktion liegt, in der sowohl Käufer als auch Verkäufer Gebote abgeben. Eine Information, die für Tarifverhandlungen hilfreich sein könnte.

Oder aber auch nicht. Das praktische Ergebnis ergibt sich aus seiner langen Reihe von Gleichungen, die alle auf einigen simplen Annahmen über das menschliche Verhalten beruhen. Die bemerkenswerteste darunter ist, dass alle Individuen nur ein egoistisches Ziel anstreben - "die Maximierung ihres persönlichen Erfolgs", wie im Hintergrunddokument zur Nobel-Erklärung zu lesen ist.

Aber in der Realität sind Menschen keine solchen strikten Nutzenoptimierer. Sie sind oft bereit, ökonomische oder persönliche Opfer zugunsten anderer Güter zu bringen. Oft können sie schlecht beurteilen, was gut für sie ist. In jeder erfolgreichen Institution setzt sich das Vertrauen gegenüber dem Egoismus durch.

Es überrascht nicht, dass die Spieltheorie in der tatsächlichen Wirtschaftspraxis nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dort, wo sie Einfluss hat, bei öffentlichen Versorgern und Breitband-Auktionen zum Beispiel, fällt es schwer eine Verbesserung im Wirtschaftsleben zu erkennen. Die Schwedische Akademie hat recht, Wirtschaftswissenschaftler zu ehren, die sich mit realen - anstelle von rein theoretischen - Problemen beschäftigen. Aber so lange sich die Wissenschaftler nicht mit dem tatsächlichen Verhalten der Menschen beschäftigen, solange bleiben die Probleme ungelöst.

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