Nomura kauft Lehmans Ost-Imperium
Zu groß in Japan

Nomura sieht im tiefsten Dunkel der Finanzkrise einen Hoffnungsschimmer. Eine Woche nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers kauft die japanische Bank das Asiengeschäft des US-Investmenthauses. Beim Preis von 225 Millionen Dollar macht Nomura ein Schnäppchen - und hat jetzt die Chance, auch außerhalb von Japan Fuß zu fassen.

Allerdings muss sich die Bank auf einen harten Wettbewerb einstellen, wenn sie Lehmans Top-Leute an Bord behalten will. Lehman eröffnet Nomura die Chance, "Sayonara" zur Abhängigkeit vom Japangeschäft zu sagen und gleichzeitig einer größeren Präsenz im restlichen Asien "Konnichiwa" zuzurufen. Für eine Bank, die bisher außerhalb ihres Heimatlandes noch nicht so richtig Fuß fassen konnte, ist das schon lange überfällig. Die Zahl der Mitarbeiter in Asien ohne Japan ist bei Nomura nur um eine Spur kleiner als bei Lehman, gemessen am Umsatz macht Nomura nach Angaben von Dialogic allerdings weniger als ein Fünftel des Geschäfts, das das bankrotte US-Unternehmen im letzten Jahr erreichte.

Perverserweise ist es Nomuras Abgeschiedenheit, die schließlich dazu führte, dass die Bank den konkurrierenden Interessenten Standard Chartered und Barclays Lehman vor der Nase wegschnappen konnte. Nomura konnte die Subprime-Krise weitgehend aussitzen und musste vor Monaten nur ein spärliches Engagement von 3,2 Milliarden Dollar abschreiben - verglichen mit dem Abschreibungsbedarf bei Citigroup gerade einmal ein Sechzehntel. Gemessen an anderen Banken sind Nomuras Kapitalkosten dadurch niedriger geblieben. Die Kosten, Nomuras Schulden gegen Ausfall zu versichern, betragen ein Zehntel der Kosten, die Morgan Stanley zu tragen hat.

Nomura übernimmt von Lehman einen florierenden Aktienhandel und die Chance, sich in laufende Übernahmeverhandlungen hineinzudrängeln, wie beispielsweise die Fusion der chinesischen Telekombetreiber Unicom und Netcom. Allerding sind Lehmans Asienaktivitäten mit zwei Preisschildern versehen. Das eine zeigt die Kosten für die Niederlassungen, inklusive der entsprechenden Infrastruktur wie zum Beispiel den Handelsplattformen, und die Administration. Das andere gilt für die Mitarbeiter der Bank.

Nomura könnte diese Kosten unterschätzen, auch wenn die 50 Millionen Dollar an "Goodwill", die die Bank wohl in Zusammenhang mit den Lohnkosten zahlt, ein kleines Bonbon sein könnten, um die Lehman-Mannschaft an Bord zu behalten. Der Wert, den Nomura auf die Mitarbeiter legt, könnte auch erklären, warum die Bank sich das Europageschäft von Lehman noch nicht endgültig gesichert hat. Die Japaner wollen erst unterzeichnen, wenn sich die europäische Top-Mannschaft von Lehman langfristig an die Bank bindet. Nomuras Asiendeal - und der in Europa, sofern er denn kommt - könnte sich noch als teurer erweisen, als auf den ersten Blick zu erkennen.

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