Norilsk Nickel
Njet Norilsk

Die 16 Milliarden Dollar konnte Wladimir Potanin nicht auftreiben, die er gebraucht hätte, um seinen ehemaligen Freund und Partner Mikhail Prokhorow bei Norilsk Nickel auszubezahlen. Dessen Anteil an der Nickelmine wird wahrscheinlich an Oleg Deripaska von Rusal gehen. Aber der bittere Streit zwischen den beiden Milliardären ist damit noch lange nicht vorüber.

Wladimir Potanin ist es laut Zeitungsberichten nicht gelungen, die Finanzierung über 16 Mrd. Dollar auf die Beine zustellen, die er gebraucht hätte, um den 25-prozentigen Anteil seines ehemaligen Partners an Norilsk Nickel zu kaufen. Das ist aber eher auf die Eigentümlichkeiten des russischen Geschäftsgebarens zurückzuführen als auf die Kreditkrise, wie dies in den Berichten nahe gelegt wurde. Denn selbst wenn die Lage auf den Kreditmärkten ungestört wäre, kann man sicher davon ausgehen, dass jede westliche Bank es sich zweimal überlegt hätte, bevor sie auf einen Deal setzt, der die Pläne eines vom Kreml protegierten Konkurrenten durchkreuzen könnte. Potanin, der russische Milliardär, der selbst 25,3 Prozent an der weltweit größten Nickelmine Norilsk hält, wollte verhindern, dass sein ehemaliger Freund und Verbündeter Mikhail Prokhorow seine Aktien an das Aluminium-Imperium Rusal von Oleg Deripaska verkauft.

Deripaskas Projekt wird von der russischen Regierung bevorzugt, also – Überraschung! – wird es sich durchsetzen. Prokhorow scheint so brennend daran interessiert zu sein, an Rusal zu verkaufen, dass er letztendlich weniger Geld dafür bekommen wird – rund drei Mrd. Dollar weniger, wie in russischen Zeitungen geschätzt wird. Deripaska wiederum könnte schließlich eine Offerte zur vollständigen Übernahme von Norilsk vorlegen und Potanin ausbezahlen.

Dieses Ergebnis wird allerdings der bitteren Auseinandersetzung zwischen Prokhorow und Potanin über die Aufteilung der Vermögenswerte, die sie während der wilden 90er Jahre gemeinsam angehäuft hatten, noch lange kein Ende setzen. Potanin will den Energie-Bereich von Norilsk abspalten. Prokhorow ist strikt dagegen, da Rusal, wie alle Aluminiumhersteller, so viel billige Energie wie möglich braucht. Um sich dafür zu revanchieren, widersetzt sich Potanin Prokhorows Plan, sich Polyus einzuverleiben. Polvus ist eine der größten Goldminen der Welt, die er unbedingt haben will, bevor im kommenden Jahr eine große Goldmine in Staatsbesitz zur Versteigerung kommt, auf die scheinbar alle russischen Milliardäre scharf sind.

Der Kampf der beiden Männer nimmt derart monumentale Ausmaße an, dass er sich auch schon auf andere, theoretisch damit nicht in Beziehung stehende Branchen auswirkt. Zum Beispiel könnte die französische Bank Societe Generale in der Schlacht Kollateralschäden erleiden: ihre Pläne, eine Mehrheitsbeteiligung an Rosbank zu übernehmen, die die beiden sich befehdenden Oligarchen gemeinsam besitzen, treffen plötzlich auf die bizarrsten Hindernisse.

Es ist noch überhaupt nicht sicher, dass irgendjemand den Streit in absehbarer Zeit schlichten wird. Die einzige Person, die dazu in der Lage wäre, ist Wladimir Putin. Doch momentan beliebt es ihm, öffentlich keine Partei zu ergreifen – genau so wenig, wie er sich vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr in die Dauerkämpfe der Kreml-Fraktionen einmischt.

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