Nortel/Kodak
Nortels Probleme verdichten sich

Es hat schon seinen Grund, warum sich die Technologiebranche lange der Kreditaufnahme enthalten hat. Technologische Veränderungen können in erstaunlicher Schnelligkeit die Cash Flows trocken legen - wie Nortel gerade bemerken muss. In dieser Situation die Kronjuwelen zu verkaufen, zögert die Probleme oft nur hinaus. Dazu muss man sich nur den Tech-Veteranen Kodak anschauen.

Es hat schon seinen Grund, warum der Technologie-Sektor lange vor der Kreditaufnahme zurückgescheut hat. Denn selbst ein kleiner Stein kann, wie schon das Alte Testament lehrt, einen Giganten umhauen. Technologische Verschiebungen können mit erstaunlicher Schnelligkeit die Cash Flows trocken legen - wie der kanadische Telekomausrüster Nortel gerade herausfindet. Werden dann die Kronjuwelen verkauft, verlagern sich die Probleme oft nur zeitlich nach hinten. Dazu muss man sich nur das Beispiel des Tech-Veteranen Kodak vornehmen.

Die Probleme von Nortel sind nicht neu, aber sie verdichten sich zusehends. Von dem Crash des Telekomsektors im Jahr 2000 hat sich die Firma nie wieder richtig erholt. Nachdem ihre Kunden ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten, musste Nortel Schulden machen. Absolut gesehen mögen die derzeitigen Nettoverbindlichkeiten der Kanadier über 1,7 Mrd. Dollar gar nicht so horrend erscheinen - wenn da nicht noch unfinanzierte Pensionsverpflichtungen über eine Mrd. Dollar wären.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Nachfrage nach dem Goldesel der Firma, der drahtlosen und der Kabeltechnologie, schwindet und bisher noch kein Ersatz in Sicht ist. Die Betriebsverluste zuzüglich der Investitionen summierten sich in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs 2008 auf mehr als 600 Mill. Dollar. Da sich die nächsten Quartale voraussichtlich miserabel entwickeln dürften, könnten die Versprechungen von Nortel, 400 Mill. Dollar an jährlichen Ausgaben zu kürzen, nicht ausreichen, um eine Liquiditätsklemme abzuwehren.

Nortel will es jetzt mit dem Verkauf ihres Bereichs Metro Ethernet versuchen. Der Internetausrüster könnte bis zu eine Mrd. Dollar erlösen, was den Druck von der Nortel-Bilanz nehmen würde. Aber Juwelen zu verkaufen, besonders wenn es sich dabei um Geschäfte handelt, die das Potenzial für zukünftiges Wachstum haben, trägt bei Tech-Unternehmen nur selten zur Lösung der Probleme bei.

Und hier lässt sich eine Parallele zu Kodak ziehen. Das Foto-Unternehmen hatte seinen rentablen Medizintechnikbereich im Jahr 2007 für 2,6 Mrd. Dollar abgestoßen und seine Schulden abbezahlt, um sich Zeit zu verschaffen. Die Schwierigkeiten von Kodak reichen noch weiter zurück als die von Nortel, aber wie die Probleme der kanadischen Gruppe gewinnen auch sie an Fahrt. Seit 2005 schrumpft der Umsatz von Kodak hartnäckig, nur das Tempo der Abnahme beschleunigt sich jetzt, besonders da ein gesunder Bereich verkauft worden ist. Schlimmer noch: Die neueren digitalen Bereiche der Firma sind einfach nicht so rentabel wie das alte Film-Geschäft.

In beiden Fällen hat eine moderat anmutende Schuldenlast letztendlich dazu geführt, dass die Investitionen in Nachfolgetechnologien beschnitten wurden. Das Bestreben, diese Last zu verringern, hatte Kodak dazu gebracht, einen gesunden Bereich abzugeben, und Nortel könnte jetzt folgen. Ihr Schuldenberg ist nicht die einzige Herausforderung, denen sich diese Unternehmen gegenüber sehen. Aber in einem sich schnell verändernden Sektor, kann selbst ein kleiner Gesteinsbrocken einen ehemaligen Giganten zum Straucheln bringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%