Northern Rock
Die Nacht der kurzen Messer

Der Führungswechsel bei Northern Rock scheint ein Schritt in die richtige Richtung zu sein. Bryan Sanderson soll Matt Ridley als Chairman des ins Trudeln geratenen britischen Hypothekenfinanzierers ablösen. Sanderson sollte sowohl von der City als auch von den Politikern gut aufgenommen werden. Aber es ist nicht klar, warum Ridley das einzige Opfer ist.

Die Entlassung von Chairman Matt Ridley bei Northern Rock ist zu wenig und sie kommt zu spät. Eine Umbesetzung im Vorstand des britischen Hypothekenfinanzierers wäre vollkommen angemessen erschienen, nachdem die fehlgeschlagene Strategie der Bank dazu geführt hat, dass ihr Überleben nun von staatlicher Unterstützung abhängt. Und als Chairman stand Ridley ganz vorne auf der Abschussliste. Aber die Bank hat mit ihrer Reaktion auf die Katastrophe einen ganzen Monat gezögert. Und sie hat die Manager verschont, die für die Krise verantwortlich sind. Das ist nicht ehrgeizig genug.

Sicher, Ridleys Nachfolger Bryan Sanderson sieht nach einer guten Wahl aus. Nachdem er drei Jahre lang die Geschicke von Standard Chartered geleitet hat, sollte er den Anforderungen der City genügen. Als ehemaliger Berater von Ex-Premier Tony Blair sollte er auch den Empfindlichkeiten der Regierung entsprechen können. Er kommt sogar aus dem Norden Englands. Das ist ein Zusatzbonus bei einer Bank, die für sich Wurzeln im Norden beansprucht.

Aber es ist nicht klar, warum Sanderson nicht schon früher berufen wurde. Northern Rock hatte ihn "wochenlang" anstehen lassen, heißt es aus Bankenkreisen. Und es ist nicht klar, warum der Board von Northern Rock nicht weiter geht, um dafür zu büßen, dass die Bank in die Knie gezwungen wurde. Andere Banken, die in ähnliche Schieflagen geraten sind, etwa die SachsenLB oder die IKB, haben sich ihrer Vorstandsmitglieder entledigt - und zwar schnell.

Das sieht nicht nur wie der vernünftigere Ansatz aus, es könnte tatsächlich dabei helfen, das Durcheinander aufzuräumen. Die SachsenLB war eine Woche nach ihrem Schiffbruch veräußert worden, und die IKB nähert sich - nach zwei Monaten - nun ihrem Verkauf. Für Northern Rock, die jetzt schon seit fünf Wochen leidet, dürfte es mindestens noch einmal vier Monate dauern, bis sich eine Lösung abzeichnet. Das ist wohl kaum eine entschlossene Reaktion auf die schlimmste Bankenkrise in Großbritannien seit einer Generation.

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