Northern Rock/EU
Staatliche Hilfen schwinden

Die EU sollte dafür sorgen, dass Großbritannien bei der Hilfe für Northern Rock ehrlich bleibt Die Kommission wird die Verstaatlichung der angeschlagenen Bank nicht verhindern, wird aber dafür sorgen, dass die staatlichen Hilfen den Bankenmarkt nicht verzerren. Gefordert wird auch ein angemessener Schrumpfungsprozess. Der Verkauf eines repräsentativen Anteils am Hypothekenportfolio könnte dazu beitragen, den wahren Wert der Bank zu bestimmen.

Die europäische Bankenaufsicht zuckt zusammen. Großbritannien, ein Bollwerk des freien Marktes, lässt sich mit der Verstaatlichung von Northern Rock zu den gleichen Sünden hinreißen, die traditionell die bösen Buben Frankreich und Deutschland begehen. Unter den strengen Bestimmungen der EU scheint die Hilfe für Northern Rock illegal. Aber Wirtschaft und Politik werden sich durchsetzen. Anstatt auf Auflösung des angeschlagenen Kreditinstituts zu drängen, wird die Kommission sich mit einer Reihe von Auflagen zufriedengeben.

Nach den EU-Vorschriften muss die 25-Milliarden-Pfund-Nothilfe der Bank of England innerhalb von sechs Monaten, in diesem Fall also bis zum 17. März, zurückgezahlt werden. Die in dieser Woche gefallene Entscheidung, Northern Rock zu verstaatlichen, unterwandert die übliche Rechtfertigung für staatliche Hilfsaktionen. In der Regel werden private Investoren einbezogen, um zu demonstrieren, dass der Einsatz unter normalen Marktbedingungen vollzogen wird.

Theoretisch gibt es also keinen Grund nachsichtig zu sein. Die britische Regierung kann nicht wirklich behaupten, sich unter normalen Marktbedingungen an einer Umstrukturierung zu beteiligen. Sie kann nicht argumentieren, dass private Anleger eine vergleichbare Investition getätigt hätten. Und auch wenn vielleicht der totale Zusammenbruch von Northern Rock das Bankensystem des Landes destabilisieren könnte, schnell abgestoßene Vermögensteile könnte der Markt absorbieren. In der Praxis wird Brüssel aber wohl dem Präzedenzfall folgen, der mit der Rettung der französischen Credit Lyonnais während der 1990er-Jahre geschaffen wurde. Die Bank erhielt die Erlaubnis ihren Geschäften weiter nachzugehen, musste sich aber von einer langen Liste von Vermögenswerten trennen, darunter auch von allen Unternehmensbestandteilen, die nicht französisch waren. Northern Rock hat nur wenige Kerngeschäftsfelder, die sich ausgliedern ließen, aber die Bank könnte gezwungen werden, Niederlassungen zu schließen, die Zinsen auf Sparkapital zu senken und sich aus dem Geschäft mit der Refinanzierung von Hypothekendarlehen zurückzuziehen – die Quelle ihrer Liquiditätsschwierigkeiten. Die EU könnte ebenso strikte Zeitvorgaben für eine Reprivatisierung setzen.

Die britische Regierung könnte mit der Begründung um nachsichtige Behandlung bitten, dass sie lediglich einer fundamental soliden Bank zur Seite springt, die in vorübergehende Liquiditätsschwierigkeiten geraten sei. Daran aber zweifeln einige Marktbeobachter. Als sich der Markt auf dem Höhepunkt befand, vergab the Rock unter allen großen Banken die Hypotheken mit den höchsten Beleihungssätzen auf die zugrundeliegenden Vermögenswerte. Die Argumentation der Regierung kann also leicht auf die Probe gestellt werden. Bevor die Verhandlungen über die Hilfe Ernst werden, sollte die EU verlangen, dass Northern Rock einen repräsentativen Strauß seiner Hypotheken versteigert. Ist die Qualität so hoch wie die Regierung behauptet, sollte die Bank mit geringen Einschränkungen weiterarbeiten dürfen. Wenn aber andere Banken nicht viel für die Papiere zu zahlen bereit sind, sollte die EU einen harten Kurs einschlagen.

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