Northern Rock
Hedgefonds kontra Regierung

SRM Global und RAB Capital haben ihre Anteile an Northern Rock aufgestockt. Die höhere Beteiligung soll ihnen das Vetorecht gegenüber möglichen Rettungsversuchen sichern. Ein frecher Vorstoß, wenn man berücksichtigt, dass die Aktien schon seit Langem vor dem Aus stehen. Aber vor dem Hintergrund der Schwäche der britischen Regierung könnte ihre Wette aufgehen.

SRM Global und RAB Capital spielen mit der britischen Regierung um extrem hohe Einsätze. Die größten Investoren Northern Rocks besitzen nach einer erneuten Shoppingtour zu Weihnachten nun 17 Prozent an der angeschlagenen Hypothekenbank. Seit die britische Regierung vor drei Monaten für The Rock in die Bresche sprang, ist ihr das Engagement der Hedgefonds ein Dorn im Auge. Sie sieht dadurch ihre Rettungspläne für die Bank gefährdet. Mit dem Recht, ein Veto gegen mögliche Rettungsversuche einzulegen, versuchen SRM und RAB den Einsatz im Poker um die Bank in die Höhe zu treiben.

Der Vorstoß ist frech. Rein rechtlich waren die Aktien schon vor langer Zeit wertlos. Die Bank verdankt ihren Fortbestand nur einer 25-Milliarden-Pfund-Rettungsleine, die die britische Regierung auswarf. Mit ihrem Ruf nach einer außerordentlichen Aktionärsversammlung, auf der die Pläne der Bank zur Diskussion gestellt werden sollen, haben die Hedgefonds automatisch auch eine Abstimmung über die neue Leitung der Bank, einschließlich den neuen regierungsfreundlichen Vorstandsvorsitzenden Bryan Sanderson in die Wege geleitet.

Der Grund für den Machtkampf der Hedgefonds ist leicht ersichtlich. Gewinnen sie, verschaffen sie den Investoren neuen Einfluss auf das Unternehmen. Die Krise der Bank hat dazu geführt, dass die Führungsspitze bei der Suche nach einem Ausweg sowohl die Interessen der Gläubiger als auch der Aktionäre im Auge behält. Das Vetorecht erhöht die Chance, dass The Rock zu den Bedingungen der Aktionäre saniert wird. Das aber bedeutet, zumindest aus der Sicht von RAB, dass der Vorstand vom Angebot seines bevorzugten Interessenten Virgin Abstand nimmt und stattdessen auf das Konkurrenzangebot von Olivant eingeht, vorausgesetzt beide können die nötigen Finanzierungsmittel aufbringen. Der Regierung bliebe nichts anderes übrig als zuzuschauen, es sei denn, sie machte von der Möglichkeit Gebrauch, die Bank unter staatliche Verwaltung zu stellen bzw. sie zu verstaatlichen.

Allerdings stehen die Finanzierungspakete der beiden Bieter noch auf wackeligen Beinen. Sollte keine adäquate Finanzierung zustande kommen, bliebe der Regierung nur die Wahl zwischen staatlicher Aufsicht, Verstaatlichung – oder einer Fortsetzung des Status quo. Die Hedgefonds spekulieren darauf, dass die Regierung, wenn es hart auf hart kommt, alles daran setzen wird, die beiden ersten Möglichkeiten zu vermeiden. Behalten sie Recht, könnten sie gewinnen, auch wenn sie die Abstimmung verlieren.

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