Northern Rock
Was haben Alistair Darling und Nick Leeson gemeinsam?

Wie der berüchtigte und zu guter Letzt betrügerische Händler der Barings Bank will der britische Finanzminister Alistair Darling seine Verluste bei Northern Rock nicht wahr haben. Mit jeder Woche wächst das staatliche Gewährleistungsrisiko für die Bank. Darling aber verharrt in Agonie und klammert sich an die verzweifelte Hoffnung auf eine Wende zum Besseren.

Alistair Darling verhält sich wie Nick Leeson. Auch der berüchtigte Derivatehändler der Barings Bank wollte seine Verluste nicht wahr haben und spielte das Spiel „doppelt oder gar nichts“. Seine Wette ging nicht auf und die Bank mit ihm unter.

Der britische Schatzkanzler spielt ein ähnliches Spiel mit Northern Rock. Die Behörden haben bereits rund 25 Milliarden britische Pfund in die angeschlagene Bank gepumpt. Aber Darling will die Verluste nicht sehen und spielt auf Zeit. Aus seiner Perspektive ist das logisch. Er hat dem Fiasko inzwischen schon so lange zugeschaut – und der Öffentlichkeit dabei immer wieder Northern Rocks Solvenz versichert –, dass ein staatliches Eingeständnis der Pleite seinen Rücktritt bedeuten könnte.

Während die Wochen dahingehen, vergibt die Bank of England immer mehr Kredit an Northern Rock – und die staatlichen Garantieverpflichtungen steigen. Darling versichert, er sei überzeugt davon, das Geld zurückzuerhalten. Aber die Hypotheken, die er als Sicherheiten nennt, sind vielleicht weniger solide als er glauben machen möchte. The Rock hat sich schließlich in der Vergangenheit zu einigen recht gewagten Vergabepraktiken hinreißen lassen, um Marktanteile zu gewinnen.

In Agonie zu verharren, verursacht zwei weitere Kosten. Erstens war Nothern Rocks Franchise einmal etwas wert. Wäre das Geschäft Anfang September an Lloyds TSB gegangen, wie es eigentlich vorgesehen war, wäre der Markenname noch Geld wert gewesen. Auch wenn man die Bank zu dem Zeitpunkt verstaatlicht hätte, als die Regierung die öffentliche Rettungsleine auswarf, hätte die Marke noch einen Restwert behalten. So aber verwandelt sich der Name Northern Rock in eine Belastung.

Zweitens, die Glaubwürdigkeit der Behörden wird untergraben – und dabei ist nicht nur das Finanzministerium gemeint, auch die Bank of England und die Bankenaufsichtsbehörde sind betroffen. Sie alle haben in dieser Sache kläglich versagt. Je länger die Misere anhält, desto weniger Autorität werden sie in der Zukunft noch haben. Die weichen Schäden an der Glaubwürdigkeit des britischen Finanzsystems könnten sich als wesentlich größer erweisen als die harten finanziellen Verluste.

Überzeugende Lösungsansätze liegen gegenwärtig nicht auf dem Tisch. Einige der vermeintlichen Northern Rock-Retter, wie zum Beispiel Cerberus, die amerikanische Beteiligungsgesellschaft, scheinen wieder dahinzuschwinden. Aber der Staat sollte nicht länger darauf hoffen, dass sich die Situation schon irgendwie verbessern wird. Er sollte jetzt handeln und dabei auf das kleinste Übel zurückgreifen, auch wenn er dadurch Verluste realisieren muss. Wenn der Vorstand mit der Lösung nicht einverstanden sein sollte, weil die Aktionäre dabei schlecht weg kommen, könnte die Regierung ihren Willen mit der Drohung durchsetzen, die Bank andernfalls unter staatliche Verwaltung zu stellen.

Darling bringt vielleicht nicht den Mut auf, in den sauren Apfel zu beißen, aber Gordon Brown, der Premierminister, sollte sich bewusst machen, dass er bei einer weiteren Verzögerung selbst zum Opfer werden könnte.

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