Notenbank-Strategie
Analyse: Die Fed ist auf dem falschen Weg

Die Inflation ist zu hoch, das Wachstum lässt nach und die Finanzmärkte laufen allmählich aus dem Ruder. Mit ihren üppigen Zinssenkungen war die US-Zentralbank bisher genau so wenig in der Lage, die Märkte zu beruhigen wie die EZB, die noch gar nicht an der Zinsschraube gedreht hat. Stattdessen sollte die Fed den Finanzmärkten massiv Liquidität zuführen und die Zinsen erhöhen.

Zunächst einmal ist zu sagen, dass es in diesen Tagen wohl kaum Spaß macht, Zentralbanker zu sein. Die Inflation ist zu hoch, das Wachstum lässt nach und die Finanzmärkte scheinen allmählich aus dem Ruder zu laufen. Zweitens ist festzustellen, dass die US-Notenbank Federal Reserve den falschen Kurs eingeschlagen hat. Die Fed hat die Zinsen von 5,25 Prozent im September auf drei Prozent gesenkt, eine Rücknahme um weitere 75 Basispunkte dürfte schon bald erfolgen. Aber die massiven Zinssenkungen haben die Märkte nicht beruhigen können. Im Gegenteil, die Zinsen, die sich die Banken untereinander berechnen, sind wieder auf demselben Niveau wie im August 2007, als die Krise ihren Anfang nahm. Die Finanzierungskosten für die Unternehmen steigen und die Ausfallquoten bei US-Hypotheken liegen auf Rekordhöhe.

Es ist auch nicht so, dass die Fed nur einfach keine große Hilfe war. Ihre unbekümmerte Haltung gegenüber den Teuerungsrisiken hat zu einem dramatischen Ausverkauf des Dollar beigetragen. Das hat vermutlich die Kreditkrise verschärft, weil die Devisenhändler dabei völlig außer Rand und Band geraten und ausländische Investoren eher zögern, Amerikanern mit leeren Taschen Geld zu leihen.

Sicher, die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei dem Versuch, die Märkte in Ordnung zu bringen, auch nicht viel besser abgeschnitten als die Fed. So klafft zum Beispiel zwischen den Renditen bei italienischen und deutschen Regierungsanleihen eine so große Kluft wie schon seit Jahren nicht mehr. Aber die EZB hat sich auch nicht schlechter bewährt als die Fed. Und sie hat die Zinsen in der Eurozone überhaupt nicht gesenkt.

Was sollte die Fed also jetzt tun? Hier sind drei Vorschläge: Erstens sollte sie dem Finanzsystem aggressiv Liquidität zuführen. Die massive Ausweitung der Term Auction Facility (TAF) vom Freitag ist ein Schritt in die richtige Richtung. Über die TAF werden kurzfristige Darlehen an Banken mit gezielt offen gehaltenen Auflagen für Sicherheiten vergeben. Zweitens sollte sie der Öffentlichkeit laut und deutlich erklären, dass es keinen problemlosen Weg gibt, ein Finanzsystem zu entschulden. Und dass eine Wiederaufnahme der Fremdkapitalfinanzierung – mit der neue spekulative Blasen bei den Preisen von Vermögenswerten geschaffen werden würde – weder einfach noch wünschenswert ist. Und schließlich sollte die Notenbank damit aufhören, die Zinsen zu senken. Ja, vermutlich sollte sie die Zinsen sogar erhöhen. Eine Verpflichtung, den Dollar zu stützen und gegen die Teuerung zu kämpfen, selbst auf Kosten einer Rezession in Amerika, würde dazu beitragen, das Vertrauen der globalen Finanzwelt wiederherzustellen.

Die gängige Meinung besagt, dass Zinsen nie erhöht werden sollten, während die sich die Wirtschaftsentwicklung verlangsamt. Aber herkömmliche Überzeugungen greifen in diesen Tage einfach nicht.

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