Notenbanken
Die Fed in der Zwickmühle

Die US-Notenbank hat nicht einmal im Ansatz angedeutet, ihren Kurs des billigen Geldes beenden zu wollen. Ihr Auftrag lautet, die Inflation und die Beschäftigungslage stabil zu halten. Dabei spekulative Blasen zu verhindern, sollte das Kernstück ihrer Mission darstellen.
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Die äußerst niedrigen Zinsen in den USA werden für einen "längeren Zeitraum" beibehalten. Dies schreibt der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve in seiner Stellungnahme vom 4. November und bleibt damit bei seiner früheren Wortwahl. Damit deutet die Fed nicht einmal im Ansatz an, der derzeitigen Ära des billigen Geldes ein Ende setzen zu wollen. Sie läuft daher Gefahr, die Preise der Vermögenswerte und Rohstoffe weiter nach oben und den Dollar weiter nach unten zu treiben. Der Auftrag der Fed lautet, die Inflation und die Beschäftigungslage stabil zu halten. Es ist schwer zu verstehen, warum die Vermeidung spekulativer Übertreibungen - und der Marktzusammenbrüche, die diese begleiten - kein zentrales Kernstück ihrer Mission darstellen sollte.

Laut dem US-Gesetz zu Vollbeschäftigung und ausgewogenem Wachstum aus dem Jahr 1978 muss die US-Notenbank langfristiges Wachstum aufrecht erhalten, die Inflation minimieren und für Preisstabilität sorgen. Wie die Ereignisse aus den Jahren 2007 bis 2009 gezeigt haben, ist es hilfreich, spekulative Blasen zu vermeiden, wenn man diese Ziele erreichen will. Denn wenn sie platzen, geraten die Preise in Rutschen und die Arbeitslosigkeit steigt. Fed-Chairman Alan Greenspan pflegte zu behaupten, es sei unmöglich, eine Blase in ihrer Entstehung zu erkennen. Doch das schließt die Verantwortung der Fed nicht aus, sie an ihrer weiteren Entwicklung zu hindern.

Derzeit haben die Aktienkurse gegenüber ihren Tiefstständen um 50 Prozent zugelegt, Rohöl notiert über 80 Dollar je Barrel und der Goldpreis ist auf fast 1100 Dollar je Feinunze geklettert. Das globale geldpolitische Umfeld ist seit mehr als einem Jahr außerordentlich entgegenkommend, wobei sich zum Beispiel die chinesische Geldmenge M2 im Jahr per September um 29,3 Prozent ausgeweitet hat. Alle diese Aspekte deuten auf die beträchtliche Wahrscheinlichkeit hin, dass sich eine Blase entwickelt, ob dieser Vorgang an sich nun in seinem Fortgang zu erkennen ist oder nicht. Wenn eine solche Blase - zu einem Zeitpunkt ausgedehnter globaler Budgetdefizite - platzt, könnte sich dies als höchst zerstörerisch für das wirtschaftliche Wachstum und die Beschäftigung erweisen.

Daher erscheint es unbedacht, dass die Fed nicht in Aktion tritt - weder in Wort noch Tat. Die Notenbanker mögen der Ansicht sein, dass eine Anhebung der Zinsen die einsetzende Erholung der US-Wirtschaft im Keim ersticken würde und dass eine Beendigung des Kurses der quantitativen Lockerung angesichts des enormen US-Etatfehlbetrags zu einer Liquiditätskrise führen könnte. Zwar hätte es keine wirklichen Auswirkungen auf die Wirtschaft, wenn der Offenmarktausschuss auf seine viel versprechende Wortwahl verzichten würde, die Zinsen für einen "längeren Zeitraum" niedrig zu halten. Doch diese Worte wegzulassen, würde die Märkte davor warnen, dass sich die Fed der potenziellen Blase durchaus bewusst ist. Manchmal können zwei Worte viel verändern.

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