Notenbanken
Die letzte Rettung für die Verbriefungsmärkte

Das Rettungspaket der Bank of England über 50 Mrd. Pfund Sterling für die britischen Banken ist gar nicht so schlimm wie zunächst befürchtet. Die britische Notenbank hat genug Vorkehrungen getroffen, damit einerseits die Steuerzahler nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen werden und andererseits den Banken auch kein Geschenk gemacht wird. Dennoch sieht das Sonderliquiditätsprogramm insgesamt fehlgeleitet aus. Außerdem sind immer noch einige Detailfragen zu klären.

Die Bank of England (BoE) ist verständlicherweise empfindlich, wenn man ihr Sonderliquiditätsprogramm über 50 Mrd. Pfund Sterling für die britischen Banken als Rettungspaket bezeichnet.Aber genau dies ist es - und zwar die größte Rettungsaktion, die die BoE seit den siebziger Jahren initiiert hat.Tatsächlich hat sich die Notenbank dazu bereit erklärt, in den kommenden drei Jahren als letztmöglicher Finanzierer einzuspringen, wenn für die danieder liegenden britischen und europäischen Hypotheken- und Kreditkartenverbriefungsmärkte endgültig die Stricke reißen. Auch wenn der Plan aus Repräsentationsgründen wie ein Swap strukturiert ist, ist es das Ziel, frisches Geld in das Bankensystem zu pumpen und dabei darauf zu hoffen, dass dies zu niedrigeren Interbanken-Sätzen und zu einer vermehrten Kreditvergabe führt.

Allerdings hat die Bank of England genug Vorkehrungen getroffen, um einerseits sicher zu stellen, dass die Steuerzahler nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden und dass der Rettungsplan andererseits auch für die Banken kein reines Geschenk ist. Der Pool an teilnahmeberechtigten Sicherheiten unterscheidet sich nicht von den derzeit für die Dreimonats-Auktionen zugelassenen Papieren: Akzeptiert werden forderungsbesicherte britische und europäische Wertpapiere mit einem „AAA“-Rating bei einem Sicherheitsabschlag von bis zu 22 Prozent abhängig von der Laufzeit. Und während die Fazilität bis zu drei Jahre zur Verfügung steht, müssen die Banken alle Sicherheiten, deren Bonität zurückgestuft wird, ersetzen, oder die Sicherheiten aufstocken, falls sich die Bewertungen für die Vermögenswerte verschlechtern.

Das Arrangement wurde so strukturiert, um die Banken zu ermutigen, sich untereinander wieder mehr auszuleihen. Die Fazilität ist mit einer Strafgebühr ausgestattet, die sich auf die Spanne zwischen dem Libor, also dem Zinssatz, zu dem sich international operierende Banken am Finanzplatz London Gelder bei anderen Banken beschaffen, und dem General Collateral Rate, zu dem Banken Staatsanleihen finanzieren können, bezieht. Das ist ein Anreiz für die Banken, den Libor zu senken. In ähnlicher Weise wird die BoE einen zusätzlichen Sicherheitsabschlag von fünf Prozent erheben, wenn Banken ihre eigenen Hypotheken tauschen wollen, was den Handel unterstützen sollte.

Ob diese Schritte ausreichen, um die Liquidität bei den Interbanken-Ausleihungen zu verbessern, muss abgewartet werden. Die BoE legt großen Wert darauf, dass alle Banken die Fazilität in Anspruch nehmen sollten, um das Stigma abzuschwächen. Zudem hat sie in Aussicht gestellt, den Umfang des Programms auf über 50 Mrd. Pfund anzuheben, falls sich genügend Nachfrage abzeichnet. Den Banken soll zudem erlaubt werden, alte Hypotheken, die vor Dezember 2007 ausgestellt wurden, in neue Wertpapiere zu verpacken, um in den Vorteil der neuen Fazilität zu kommen. Trotzdem geht die Zentralbank hinsichtlich des Spektrums der in Frage kommenden Sicherheiten nicht so weit, wie sich dies viele Banken erhofft hatten, so dass der Überhang im Markt weiter bestehen bleiben wird.

Und die eigentliche Prämisse für diese Rettung ist immer noch fragwürdig. Für die Steuerzahler bestehen immer noch einige Risiken, weshalb auch das Treasury die BoE gegen Verluste absichern musste. Und während die BoE gern behauptet, dass der Zusammenbruch des Verbriefungsmarkts von Problemen aus den USA herrührt, sind sich europäische Händler einig in ihrer Einschätzung, dass britische Hypothekenpapiere ganz genau so zweifelhaft sind. Es ist nicht ganz klar, warum das Ankurbeln der Kreditvergabe in einen bereits im Übermaß aufgeblähten Markt die Krise schneller beenden sollte, als es zuzulassen, dass die Preise die Talsohle erreichen.

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