Notenbanken
Gedränge vor der Notenpresse

Die EZB ist letztendlich doch auf den der quantitativen Lockerung Kurs eingeschwenkt. Allerdings ist ihr Ansatz immer noch vorsichtig verglichen mit dem Plan der Bank of England, weitere Gilts über 50 Mrd. Pfund zu kaufen. Die britische Zentralbank geht bei ihrem Versuch gleich mehrere Risiken ein.
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Vor der Geldpresse wird das Gedränge immer dichter. Die Bank of England (BoE) hat sich dort am Donnerstag noch breiter gemacht. Sie will noch einmal 50 Mrd. Pfund Sterling an britischen Staatsanleihen kaufen. Am gleichen Tag hat sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) der Notenpresse genähert, wenn sie sich auch von dem rot markierten Knopf mit der Aufschrift "Staatsanleihen" sorgfältig fern gehalten hat. Sie will 60 Mrd. Euro an gedeckten Schuldverschreibungen erwerben.

Die BoE hat sich, wie Macbeth, tief verstrickt und kennt kein Zurück mehr. Es ist noch zu früh, um erkennen zu können, ob die ersten 75 Mrd. Pfund an frisch gedrucktem Geld schon etwas bewirkt haben. Dieses Geld wird über den Erwerb von Staatsanleihen geriert, doch die Käufe haben weder die Renditen der Gilts unten gehalten noch eindeutig eine größere Kreditvergabe durch die Banken herbeigeführt.

Es war als unwahrscheinlich erachtet worden, dass die EZB zum Gelddrucken übergehen wird. Die Notenbank der Eurozone hat ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf ein Prozent gesenkt - die BoE ist bei 0,5 Prozent angelangt - und hat die Laufzeiten ihrer für Liquidität sorgenden Refinanzierungsgeschäfte mit Banken auf ein Jahr ausgeweitet. Die große Überraschung bestand in dem Versprechen der EZB, 60 Mrd. Euro an gedeckten Schuldverschreibungen - Wertpapiere, die mit Immobilienkrediten von hoher Qualität besichert sind - zu kaufen.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte, der Schritt stelle keine quantitative Lockerung dar, sondern eine "Kreditlockerung". Der Unterschied ist kaum mehr als semantisch. Doch dadurch, dass sich die EZB von Staatsanleihen fern hält, bewahrt sie sich vor zahlreichen Gefahren, und den Regierungen bleibt eine größere Disziplin seitens der Märkte erhalten.

Angesichts des viel größeren Umfangs der Volkswirtschaft der Eurozone stellen die 60 Mrd. Euro der EZB allerdings nur einen kleinen Schritt dar verglichen mit den 125 Mrd. frisch gedruckten Pfund, zu denen sich die BoE verpflichtet hat. Und der Leitzins der EZB bleibt doppelt so hoch wie der der BoE.

Die EZB mag vielleicht nicht alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um eine Erholung von einem tief greifenden Abschwung anzufachen. Aber wenn die BoE mehr als die Hälfte des kolossalen Betrags an Schuldtiteln, den die britische Regierung in diesem Jahr emittieren wird, aufkauft, läuft sie Gefahr als ein Gelddrucker zu erscheinen, dessen sich Gordon Brown als erstbeste Maßnahme bedient. Dies könnte dazu führen, dass sich die Investoren Sorgen um ein fallendes Pfund und die künftige Inflationsentwicklung machen - und über steigende Gilt-Renditen, wenn der große Käufer schließlich den Markt verlässt.

Die für den politischen Kurs der BoE Verantwortlichen können nicht mit Gewissheit sagen, ob sie Großbritannien so auf den Pfad der wirtschaftlichen Erholung führen können. Die EZB zielt ein wenig tiefer, aber ihre zurückhaltendere Vorgehensweise sieht sicherer aus.

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