Kolumnen
Nüchtern bleiben

Die großen internationalen Brauereien haben sicherlich schon bessere Tage erlebt. Der große Boom beim Bier ist vorbei. Dennoch ist SAB Miller vor der Zukunft nicht bange. Dabei könnte die britische Brauerei schon bald von der Führungsposition verdrängt werden.

Der einzige Nüchterne auf einer Party zu sein, ist manchmal gar nicht so übel. So zumindest geht es SAB Miller. Die in London börsennotierte Brauerei wollte zuletzt von den großen Fusionspartys der Branche so gar nichts wissen. Zuerst boten Carlsberg und Heineken für Scottish & Newcastle (GB). Jetzt heißt es, dass Amheuser-Busch mit Inbev aus Belgien verhandelt. Diese Kombination würde SAB als größte Brauerei nach Volumen aus dem Rennen werfen. Die Briten brauchen den Fluch der Nummer Zwei aber nicht zu fürchten.

Es gab Zeiten, da hat SAB wie der gefräßige Aufkäufer des Biersektors ausgesehen. Er trieb die Preise für die Rivalen Pilsner Urquell, Miller, Peroni und Grolsch kräftig in die Höhe. Dank kräftigen Kosteneinsparungen und seiner Stärke in Südafrika, wo SAB ein Drittel seines Profits macht, kletterten die Aktien in die Höhe; sie liefen sogar doppelt so gut wie der DJ World Consumer Goods Index der letzen fünf Jahre.

Aber ein Verkäufermarkt, wie es der Markt für Bier ist, ist kein Ort für ein Gelage. Die Aktien von Scottish & Newcastle weisen mittlerweile ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 14 aus; ähnlich sieht es bei Carlsberg und Heineken aus. Das sind 50 Prozent mehr als SAB für Miller im Jahr 2002 gezahlt hat. Amheuser, das mutmaßliche Schnäppchen von Inbev, wird nur mit dem 12-fachen bewertet.

Die Art der Geschäfte, die für SAB Sinn macht, würden deutlich teurer sein. Carlsberg (Dänemark) und Femsa (Mexiko) könnten die Position von SAB in Osteuropa und Südamerika zwar entsprechend stärken. Beide Unternehmen aber vertrauen auf den Schutz ihrer Großaktionäre gegen eine Übernahme. Wollte SAB die Großinvestoren gewinnen, müsste das Unternehmen ganz tief in die Tasche greifen.

Die Anleger sollten SAB aber nicht für seine Zurückhaltung strafen. Im Gegensatz zu Spirituosen, wo ein paar globale Marken unangefochten an erster Stelle stehen, ist der Markt für Bier eher lokal. Das reine Größenverhältnis zählt dort nicht unbedingt. SAB hat dies gerlernt, als es versuchte, Miller zu einem globalen Unternehmen zu formen – und scheiterte. Während die Rivalen einem „Kater, am Morgen danach“ entgegensehen, wäre es für SAB klug, einen nüchternen Kopf zu behalten.

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