Nymex/CME: Die Glückszahl Elf

Nymex/CME
Die Glückszahl Elf

Der Futures-Riese CME hat einen Aufschlag von elf Prozent für die Nymex geboten. Das erscheint ein bisschen großzügig. Schließlich nutzt die New Yorker Energiebörse die Handelplattform Globex der CME – eine Hürde für andere Bieter. Und die Nymex konzentriert sich vorwiegend auf den Energiesektor. Aber für die CME könnte sich der Deal trotzdem auszahlen.

Auf den ersten Blick sieht das Gebot der CME Group für den Energie-Futures-Giganten Nymex Holdings über elf Mrd. Dollar vielleicht geizig aus. Die kombinierte Bar- und Aktienofferte der CME beläuft sich auf rund 119 Dollar je Aktie, was einem Aufschlag von elf Prozent gegenüber dem Aktienkurs der Nymex von vor dem Gebot entspricht. Vor dem 20prozentigen Rückgang aufgrund fallender Rohölpreise in diesem Monat, hatten die Aktien der Nymex fast immer für über 120 Dollar je Aktie den Besitzer gewechselt. Aber der Deal könnte sich immer noch als vorteilhafter für die Nymex herausstellen als für die CME.

Zugegeben, der Zeitpunkt für ein Heranpirschen an die Nymex scheint für die CME günstig zu sein. Aber der Abschluss ist auf den zweiten Blick gar nicht so billig. Die Kosten- und Einnahmensynergien von rund 100 Mill. Dollar nach Besteuerung und Kapitalisierung machen nur ein wenig über die Hälfte des Aufschlags aus, den die CME bietet.

Das ist seltsam, denn die CME scheint in einer ziemlich starken Verhandlungsposition zu sein. Die Nymex hat nur wenige andere Optionen. Rund 90 Prozent ihrer Hauptrohölkontrakte laufen über das von der CME betriebene elektronische Handelssystem Globex. Andere Interessenten müssten wahrscheinlich eine Alternative finden. Da die andere große Plattform im Besitz des Erzrivalen IntercontinentalExchange ist, könnte das ein mühseliger Kampf werden.

Zudem besteht das Geschäft der Nymex im Wesentlichen darin, sich die Kursausschläge auf den Energiemärkten zunutze zu machen. Natürlich verdient die Börse an Handelsgeschäften sowohl, wenn die Kurse fallen, als auch, wenn sie steigen. Aber ihr Nettovolumen an Abschlüssen – der so genannte „open interest“, also die Zahl der noch nicht glatt gestellten Kontrakte -, wächst nur dann beständig, wenn die Kurse steigen. Da die Ölpreise tendenziell nach unten weisen, und eine Rezession möglicherweise etwas den Dampf aus dem Markt nimmt, lassen die Wachstumsraten der Nymex bereits nach. Wenn dieser Trend anhält, könnten schließlich die Aktien in Mitleidenschaft gezogen werden.

Aber der Abschluss hätte auch eine Menge Vorteile für die CME. Zum einen ist die Nymex eine der zwei großen Energieterminbörsen in den USA. Sie würde die Produktlinie der CME hübsch abrunden. Die Bedenken seitens der Wettbewerbshüter dürften minimal sein, da sich das Geschäft der beiden Gesellschaften nur geringfügig überschneidet. Und das Ergebnisvielfache der Nymex könnte nach oben in Richtung des Niveaus von CME revidiert werden, das mit rund dem 34fachen der Gewinne für 2008 um rund fünf Punkte höher liegt.

Die Nymex-Aktionäre auf jeden Fall scheinen gierig nach der Hand von CME zu schnappen – die Nymex-Aktien legten nach Bekanntgabe der Offerte um über sieben Prozent zu. Sie haben Recht. Da sich die Terminmärkte rasch konsolidieren, ist es klug, ihr Schicksal mit dem eines Giganten zu verknüpfen.

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