Obama
Der Präsident ist gefordert

So lange Washington zögert, das Bankensystem wieder zum Laufen zu bringen, so lange werden sich andere wirtschaftliche Initiativen wahrscheinlich als vergeblich erweisen. Die präzisen Konditionen der Rettung sind wichtig, aber worauf es wirklich ankommt, ist, glaubhaft versichern zu können, dass die Krise vorbei ist. US-Präsident Obama muss das Heft in die Hand nehmen.
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US-Präsident Barack Obama sollte sich nicht einlullen lassen und sich wegen einer kurzen Erholung an den Aktienmärkten in einem falschen Gefühl der Sicherheit wiegen. Die Bankenkrise ist immer noch virulent. Und so lange Washington zögert und zaudert, wie sie denn genau zu lösen sei, werden andere Initiativen, um die wirtschaftliche Zuversicht zu stärken - von fiskalpolitischen Anreizen bis hin zur Lockerung der geldpolitischen Zügel -, wahrscheinlich vergebens sein.

Die US-Regierung hat es noch nicht geschafft, eine Linie zu ziehen. Bis jetzt hat sie lediglich die Idee zu einem Plan, aber nicht den Plan selbst. Die beiden Schlüsselelemente - ein Belastungstest, ob die großen Banken einem ernsten Abschwung standhalten können und eine öffentlich-private Partnerschaft, um toxische Vermögenswerte aufzukaufen, - wurden bisher nicht vollständig und klar dargelegt. Zudem war US-Finanzminister Tim Geithner nicht in der Lage, das was er tut, seinem Publikum auch zu verkaufen.

Obama muss drei Dinge erkennen.

Erstens: Schnelligkeit ist unabdingbar. Er kann es sich nicht leisten, bis Ende April zu warten, bis die Stresstests abgeschlossen sind, und dann möglicherweise noch einmal sechs Monate, bis Kapital in die Banken gepumpt wird. Die Arbeitslosigkeit steigt schnell, und das Abbröckeln der Wirtschaft nagt an der Kreditwürdigkeit der Banken. Dadurch wird es noch schwerer, die Bankenkrise beizulegen.

Zweitens: Glaubhaft zu erklären, dass die Krise vorbei ist, hat Priorität. Das Für und Wider verschiedener Optionen - wie etwa die vorübergehende Verstaatlichung, Bad Bank-Konzepte, mehr Kapital zuzuführen oder Vermögenswerte zu garantieren - ist wichtig. Aber wichtiger wäre es, etwas zu tun, was groß und gewichtig genug ist, um der Öffentlichkeit, der Industrie und den Banken selbst das Vertrauen wiederzugeben, dass sie wieder effektiv funktionieren können.

Drittens: Der Präsident muss die Regierungspläne selbst an den Mann bringen. Geithner mangelt es an den kommunikativen Fähigkeiten, um einen immer schnippischer werdenden Kongress dazu zu überreden, ihm einen weiteren großen Bankenrettungsscheck auszustellen. Nur das große Kommunikationsgenie selbst verfügt sowohl über das politische Kapital, um unpopuläre Schritte durch den Kongress zu bringen als auch über die Fähigkeit, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass das Element der Krise, das die Banken betrifft, ausgestanden ist.

Der Erfolg seiner Präsidentschaft ist an dieses Problem gekoppelt. Obama wäre gut beraten, jetzt Nägel mit Köpfen zu machen.

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