Obamas Berater: Ein frischer Aderlass

Obamas Berater
Ein frischer Aderlass

In Barack Obamas Wirtschaftsmannschaft sind neue Gesichter selten, und sein 825 Milliarden US-Dollar schweres Anreizgesetz sieht aus wie eine wuchtige Variante des althergebrachten Keynesianismus. Seine Auserwählten sind sofort einsatzfähig, was ein großes Plus ist. Doch um die US-Wirtschaft zu retten, muss Obama sicherstellen, dass sie nicht einfach die gleichen alten Wege gehen.

Obamas Wahl erfahrener Leute wurde zunächst beklatscht, doch der Enthusiasmus bröckelte, als einige Untote aus den Särgen stiegen. Der von Obama erwählte Finanzminister Tim Geithner ist in eine schwer zu erklärende Kontroverse um steuerliche Fehler verwickelt, die seine Anhörung zu Amtsbestätigung vor dem Senat zu erschweren droht. Obamas Kandidat für das Amt des Handelsministers zog sich zurück, nachdem ein Gericht Korruptionsvorwürfe untersuchte.

Die von Obama zur Wiederbelebung der Börsenaufsicht auserkorene Mary Schapiro geriet in die Kritik, weil sie der Branche zu nahe stehen soll, und weil sie Bernard Madoff nicht enttarnte, als sie eine Aufsichtsagentur zur Selbstregulierung von Maklerhäusern betrieb. Das ist etwas ungerecht, denn sie war nicht für den Vermögensverwaltungsbereich zuständig, in dem sich das vermeintliche Schneeballsystem abspielte.

Trotz dieser Rückschläge und dem in seinem Anreizpaket durchschimmernden Mangel an Phantasie ist es sinnvoll, erfahrene Leute in Schlüsselpositionen zu haben. Denn andere der von Obama Berufenen sind unkonventionelle und innovative Denker, etwa seine Wirtschafts-Spitzenberater Larry Summers, Paul Volcker und Christina Romer. Der frühere Notenbankchef Volcker ist sicher kein ausgabefreudiger Liberaler, wie schon seine schmerzvolle, aber am Ende wirksame Kur zur Eindämmung der Inflation aus den 1980er Jahren bewies. Auch wenn enthusiastische Jungspunde mit frischen Ideen wertvoll sein mögen, ist es doch gut, einige erfahrene Leute in Schlüsselrollen zu haben, die wissen, wie man diese Ideen in Maßnahmen umsetzt. Es bleibt ein enormer Spielraum, um frische Talente auf Tausende einflussreicher Stellen zu berufen, die unterhalb der obersten Ebene politisch besetzt werden.

Es bleibt die Sorge, dass ein Mangel an frischem Blut Obamas Wirtschaftspolitik in eine politisch nützliche und konventionelle Richtung tendieren lässt. Die vorgeschlagene Anreizgesetzgebung beispielsweise konzentriert sich auf Infrastruktur, die Unterstützung finanziell angeschlagener Bundesstaaten, Energie, Gesundheitswesen und Bildung. Dies sind die gängigen Politikfelder der Demokraten, sie grenzen sich aber stark ab von Multiplikationseffekten, also dem Umfang der Stärkung des Bruttoinlandsproduktes pro investiertem Dollar. Die Ausgaben auf so viele Projekte zu verteilen, ist wahrscheinlich weniger effizient, als jene Projekte anzuvisieren, die die größten Auswirkungen haben. Diese Auswirkungen könnten sowieso durch den Umstand abgeschwächt werden, dass jeder von der Regierung zur Finanzierung der Programme geliehene Dollar dem ohnehin schon an Kreditmangel leidendem privaten Sektor nicht zur Verfügung steht.

Seite 1:

Ein frischer Aderlass

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%