Ökonomische Massenkarambolage
US-Autobranche: Gegen die Wand

Dass der amerikanische Senat seine Zustimmung zum 14-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für die großen Drei der Autobranche verweigert hat, bedeutet nicht, dass ihr Konkurs unmittelbar bevorsteht. Aber die politische Paralyse führt dazu, dass sich die Arbeitnehmer, Zulieferer und Anleger auf schmerzhafte Einbrüche einstellen müssen. Die Wirkung auf das Verbrauchervertrauen wird verheerend ausfallen.

Den großen Drei winkt der Bankrott. Aber selbst wenn General Motors, Ford und Chrysler keinen Gläubigerschutz nach §11 des amerikanischen Insolvenzrechts suchen müssen, weil sie in letzter Minute eine andere Lösung finden, gleicht die Verweigerung der 14-Milliarden-Dollar-Hilfe durch den Senat einer wirtschaftlichen Massenkarambolage.

Das jüngste politische Durcheinander wirkt wie ein Schock, sollte es aber nicht. Es ist leicht Unternehmen die Unterstützung zu verweigern, die sich nicht wirklich selbst helfen wollen. Alle drei Autobauer sind in ihrer jetzigen Form wirtschaftlich nicht überlebensfähig. Durch ihr träges Management haben sie sich gemeinsam mit ihren Gewerkschaften über Jahrzehnte in eine finanzwirtschaftliche Ecke manövriert. Und die vergangenen Monaten haben sie damit verbracht, zu verhindern, die beste unter den verbleibenden schlechten Möglichkeiten zu realisieren: in Konkurs zu gehen oder zumindest etwas ähnliches zu versuchen.

Die noch schlechteren Optionen sind immer noch nicht vom Tisch. An erster Stelle steht dabei die erzwungene Auflösung einer oder mehrerer der Gesellschaften. Dadurch würde es zu einer Welle von Unternehmenszusammenbrüchen unter den Zulieferern und Autohändlern kommen. Zumindest dieser Alptraum könnte immer noch verhindert werden, wenn Präsident Bush sich dem Druck beugt, die Hilfsprogramme für die Banken auch auf die Autoindustrie auszudehnen. Dadurch könnten die frisch engagierten Juristen der großen Drei Zeit gewinnen, um Konkurspakete zu schnüren, unter denen die wichtigsten Bänder weiterlaufen könnten.

Wie das Beispiel Lehman zeigt, fährt die Welt besser, wenn gigantische Unternehmensliquidationen verhindert werden. Der Zusammenbruch des Wall-Street-Brokers hat in der gesamten Finanzbranche zu sehr viel größerer Vorsicht geführt - selbst bei denjenigen, die nicht direkt vom Untergang der Bank betroffen waren. Würde Chrysler - der Prototyp des American Way of Life und erste Bankrott-Kandidat in der Autobranche - plötzlich vom Markt verschwinden, würde das "Lehman-Trauma" auf die breitere Wirtschaft durchschlagen.

Noch ist die Senatsabsage nicht mehr als ein Zeichen politischer Paralyse. Aber schon sie allein verursacht eine mildere Form des gefürchteten wirtschaftlichen Traumas. Die unsichere Situation führt dazu, dass jeder, der irgendwie mit dem wichtigsten Industriezweig der US-Wirtschaft in Verbindung steht, es sich zweimal überlegen wird, auch nur einen Dollar auszugeben. Die düsteren Schlagzeilen geben den bereits verunsicherten Konsumenten erneut Grund pessimistisch in die Zukunft zu blicken.

Der Schaden bleibt auch nicht allein auf die Vereinigten Staaten begrenzt. In Asien und Europa brachen die Kurse am Freitag dramatisch ein, wobei die Autoproduzenten doppelt so stark fielen wie die Indices. Für die anderen Autobauer wird es schwer werden, wirtschaftlich aufzublühen, wenn die Großen der Branche ums Überleben kämpfen.

Wenn die Unfallschäden der großen Drei erst beseitigt sind, wird die weltweite Autoindustrie wieder gesunden. Die Aussicht darauf könnte einen Hoffnungsschimmer während der konjunkturellen Talfahrt bedeuten. Allerdings keinen allzu großen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%