Öl/Dollar
Abkehr vom Dollar? Nur eine Frage der Zeit!

Öl und US-Dollar gehörten bisher zusammen wie Gold und Gier. Doch die Zeiten ändern sich. Angeblich wollen die Golfstaaten zur Abrechung für Öl künftig nicht mehr den US-Dollar, sondern einen Währungskorb nutzen. Saudi-Arabien ließ zwar entsprechende Berichte dementieren. Doch ein solcher Schritt wäre politisch und wirtschaftlich logisch. Die USA müssten mit höheren Kosten leben, mit wirtschaftlicher Unsicherheit und sinkendem Ansehen.
  • 0

Der Rohölpreis wird derzeit in US-Dollar notiert. Der Chef der saudiarabischen Zentralbank hat durch sein Dementi eines Berichtes der britischen Zeitung "The Independent" nahe gelegt, dass dies so bleiben wird. In dem Bericht hieß es, dass führende Ölproduzenten ihre Abrechnungspolitik in den nächsten neun Jahren ändern könnten. Die Argumente für einen Ersatz des US-Dollar durch einen Währungskorb bei der Ölpreisabrechnung sind aber überzeugend.

1965 wäre es noch bizarr erschienen, den Ölpreis nicht in US-Dollar anzugeben. Die USA förderten damals nach Statistiken des Ölmultis BP 28 Prozent des globalen Rohöls, mehr als der gesamte Nahe Osten. Sie verbrauchten zudem 37 Prozent der gesamten Weltölförderung, sieben Mal mehr als etwa Deutschland oder Japan, die auf den Plätzen zwei und drei folgten. Außerdem war der US-Dollar auf der ganzen Welt noch allmächtig.

Im Jahr 2008 hat sich all dies geändert. Der US-Anteil an der Weltölförderung ging auf acht Prozent zurück, das ist weniger als der Anteil von Saudi-Arabien oder Russland. Zwar sind die Vereinigten Staaten noch immer der weltgrößte Ölkonsument, doch ihr Verbrauchsanteil ist auf 23 Prozent gefallen, und die Lücke zu den folgenden Nationen hat sich verkleinert. Auf die Eurozone entfällt heute 13 Prozent des globalen Verbrauchs, auf China zehn Prozent. Zudem erscheint nach Jahren, in denen die USA alle Arten von Defiziten aufweisen, der US-Dollar kaum noch als ein langfristig sicherer Währungshafen.

Die Frage ist nicht ob, sondern eher wann der US-Dollar und der Rohölpreis getrennte Wege gehen. Wann auch immer es dazu kommt, die USA werden dabei verlieren.

Die US-Währung würde darunter leiden, nicht mehr zur Finanzierung des Betriebskapitals zu dienen, dass für den Handel und Transport des Rohöls gebraucht wird. Wenn Euro und Renminbi anstelle des US-Dollar treten, gäbe es weniger Nachfrage nach der US-Währung. Außerdem ist es schwerer, in einer Fremdwährung Geschäfte zu machen. Der von US-Käufern gezahlte Ölpreis würde wohl stärker schwanken, wenn er von einer Nichtdollar-Basis umgerechnet werden muss.

Der größte Schaden wäre allerdings psychologischer Art. Öl ist der bedeutendste international gehandelte Rohstoff. Handelt man ihn in einer anderen Einheit als in US-Dollar, so würde dies als Zeichen des relativen Niedergangs der USA wahrgenommen, und das nur zu Recht.

Kommentare zu " Öl/Dollar: Abkehr vom Dollar? Nur eine Frage der Zeit!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%